Jugendherbergen verändern sich – 2013 fast 30 000 Übernachtungen im Kreis

„Hersfeld ist ganz weit vorn“

Zwei Häuser des Deutschen Jugendherbergswerks gibt es im Landkreis: Die Bad Hersfelder Jugendherberge in der Nähe des Kurparks (links) und die Jugendherberge in Rotenburg am Rande des Schlossparks. Fotos: Maaz/Dupont

Hersfeld-Rotenburg. Den Jugendherbergen fehlen Schulklassen – zumindest in Niedersachsen und in Norddeutschland. In Hessen ist dieser Trend offenbar noch nicht angekommen, leicht sinkende Übernachtungszahlen hatten zuletzt jedoch auch die Jugendherbergen in Bad Hersfeld und Rotenburg zu verzeichnen.

Einen deutlichen Buchungsrückgang bei den Schulklassen gibt es in Niedersachsen, weil vor allem viele Gymnasien auf Klassenfahrten verzichten, um gegen eine Anhebung der Stundenzahl von Gymnasiallehrern zu protestieren. „Wir haben zwar auch Gäste aus Niedersachsen, aber von dem Boykott haben wir noch nichts gespürt“, sagt Bob Tode, Vorstandsvorsitzender des Landesverbands Hessen des Deutschen Jugendherbergswerk (DJHW).

Einen Rückgang bei den Schülerzahlen insgesamt gebe es allerdings. „Das entspricht auch der Entwicklung in den Schulen und Klassen“, so Tode mit Blick auf den demografischen Wandel. Auch die Dauer von Klassenfahrten habe sich in den vergangenen Jahren verkürzt. Zweiwöchige Klassenfahrten gebe es gar nicht mehr, eine Woche noch ab und zu. Vermehrt dauerten solche Ausflüge nur noch drei Tage. „Das ist sicher auch eine Geldfrage“, vermutet Tode. Ein weiterer Grund könne die verkürzte Schulzeit sein.

Bei Grundschulklassen seien Jugendherbergen aber immer noch die erste Wahl, sagt Bob Tode. „Sie stellen einen geschützten Bereich dar, denn nicht jeder kommt rein, nur Mitglieder.“ Daher empfehle auch ein gemeinsamer Leitfaden des Jugendherbergswerks mit dem Hessischen Kultusministerium den Besuch von Jugendherbergen bei Klassenfahrten.

Während Jugendherbergen früher bewusst als einfache, günstige Herbergen ohne jeglichen Komfort genutzt wurden, seien die Ansprüche der Gäste inzwischen gestiegen. Neben Schülern und Lehrern würden darüber hinaus gezielt junge Familien mit speziellen Angeboten angesprochen. Auch bei Musik- oder Sportgruppen seien die Jugendherbergen beliebt, von denen es in ganz Hessen 31 gibt.

Die modern gestaltete und 2007 neueröffnete Jugendherberge am Kurpark in Bad Hersfeld ist laut Tode „ganz weit vorn“. In Bad Hersfeld ist das Deutsche Jugendherbergswerk lediglich der Betreiber, die Immobilie gehört der Stadt. Das etwas rustikalere Haus in Rotenburg gehört dem DJHW selbst – wie in 60 Prozent aller Fälle, so Tode.

19 169 Übernachtungen hat das Jugendherbergswerk 2012 in Bad Hersfeld registriert. Davon 4395 durch Schulgruppen, vorwiegend aus der Sekundarstufe I (3242). 2013 waren es 18 906 Übernachtungen, davon 4012 von Schülern (3067 aus der Sekundarstufe I).

In der Rotenburger Jugendherberge haben 2012 insgesamt 12 438 Gäste übernachtet, davon 4928 Schüler, ebenfalls vorwiegend aus der Sekundarstufe I. 11 053 Übernachtungen waren es im vergangenen Jahr (3910 Schüler, davon 3492 aus der Sekundarstufe I). Die Rotenburger Jugendherberge wurde 1968 eingeweiht und 2005 modernisiert.

Von Nadine Maaz

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