Mitten aus dem prallen Leben

Bad Hersfeld: Bodo Bach begeistert in der Stadthalle

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Übte gut verpackte Gesellschaftskritik in der Bad Hersfelder Stadthalle: Comedian Robert Treutel alias Bodo Bach trat mit seinem Programm „Auf der Überholspur“ in der Kreisstadt auf. 

Bad Hersfeld. „Auf der Überholspur“ heißt sein aktuelles Programm mit dem Untertitel „Schneller, höher, weiter! Blinker links und Vollgas“. Dessen ungeachtet setzt Robert Treutel alias Bodo Bach am Samstagabend an der Ausfahrt Bad Hersfeld den Blinker rechts und macht Station in der ausverkauften Stadthalle.

Gute zweieinhalb Stunden nimmt sich der sympathisch hemdsärmelig auftretende Komiker Zeit, um dem Publikum in unverkennbar hessischem Dialekt haarsträubende Geschichten mitten aus dem – mitunter auch prallen – Leben zu erzählen. Alltagshektik und vor allem das Älterwerden sind die großen Themen des Abends.

Rechnen nach Heesters

Bodo, der nach eigenem Bekunden mit „53 Jahren und 60 Monaten“ mitten im Leben steht – „Ich rechne halt nach Heesters“ – gibt allerdings unumwunden zu, dass das Älterwerden auch bei ihm Spuren hinterlässt. „Wenn dir das linke Bein weh tut, dann hast Du´s vorher benutzt“, erklärt er dem 13-jährigen Fabian in der ersten Reihe, „Mir tut´s weh, nur weil ich´s hab“.

Überhaupt wird Fabian – von Bach immer wieder direkt angesprochen – im Lauf des Abends einiges fürs Leben lernen und hoffentlich auch mit nach Hause nehmen. Alt ist negativ besetzt und Bach ist angetreten, dies zu ändern. Den großen Vorteil des Älterwerdens sieht er in der zunehmenden Gelassenheit „Inzwischen ist mir vieles einfach wurscht“ bekennt er sehr zur Freude des Publikums.

Seitdem er weiß, dass Haarausfall erblich ist, hat er sich auch damit arrangiert, obwohl er früher immer gedacht habe „wenn Du erbst, dann kriegst Du was“. Älter werden ist nicht schlimm, lautet seine Botschaft. Schließlich steige die Lebenserwartung immer noch. Während wir im Mittelalter mit 40 den Löffel abgegeben haben, sei das jetzt anders: „50 ist das neue 30, 60 ist das neue 40, und 70 ist, wenn der Papa nochmal Papa wird“ macht er allen im Saal Mut.

Mit genial kreativen, unglaublich treffenden Wortschöpfungen wie „Schachtelwirt“ für McDonalds liefert Bodo Bach mit verschmitztem Grinsen gut verpackte Gesellschaftskritik und setzt den gesunden Menschenverstand gegen den Zeitgeist. Unter lautem Applaus entlarvt er gnadenlos von „Lutschern in Maßanzügen und handgenähten Schuhen“ verfasste Anglizismen und Schlagworte wie „Best Ager“ „Outdoor-Kleidung“ oder „Aktiv-Urlaub“ als leere Worthülsen und Marketing-Geschwafel.

Alles in allem ein mehr als gelungener Abend, urkomisch und gleichzeitig sensibel mit Ansätzen für eigenes Nachdenken.

Von Thomas Landsiedel

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