Von Herschfeller Jungs und Herschfeller Maejes

Kai A. Struthoff

Wo gehobelt wird fallen Späne – das gilt natürlich vor allem in Wahlkampfzeiten. Während sich die Landrats-Kandidaten anfangs noch zurückgehalten haben, wird jetzt, drei Wochen vor der Wahl, munter losgeholzt. Das gehört dazu, sollte auch nicht auf die Goldwaage gelegt werden – aber es geht manchmal eben daneben.

So hat sich die SPD-Landratskandidatin Elke Künholz wohl ein Eigentor geschossen, als sie in einem Brief an die Partei-Genossen schrieb, dass der Kreis keine „Thüringer Kopie“ eines Herschfeller Jung braucht, und auch keine Kopie der Thüringer Politik. Zugleich polemisiert sie – wenig sozialdemokratisch, allerdings bestimmt populär – gegen den Solidaritätszuschlag. Nun war die Thüringer Politik ja bislang recht erfolgreich – wer weiß, ob sie das unter rot-rot-grün auch bleibt. Zudem ist Michael Koch, der zwar seit zehn Jahren in Erfurt lebt, wohl immer noch mehr „Herschfeller Jung“ als die in Aßlar bei Wetzlar geborene Elke Künholz ein „Herschfeller Maeje“. Als gebürtiger Berliner kann ich über das Qualitätsmerkmal „Made in Hersfeld“ ohnehin nur den Kopf schütteln. Aber nachdem der einstige Bad Hersfelder Bürgermeister-Kandidaten der SPD – Gunter Müller, der in Rotenburg aufwuchs – im Wahlkampf von Gegnern als „Ossi“ gebrandmarkt wurde, sollte man derart durchsichtige Manöver nicht wiederholen

Mit ihrer Forderung, ein Nutzungskonzept für den angeblich vom Verfall bedrohten Klausturm in Bad Hersfeld zu entwickeln, hinkt die sonst gern flinke Stadtverordnetenfraktion der NBL offenbar der Realität hinterher. Bürgermeister Thomas Fehling liegt nach unseren Informationen nämlich bereits ein ganz konkreter Vorschlag vor, wie der Turm als attraktive Sehenswürdigkeit in die Stadtführungen integriert werden könnte. Hinter der Initiative steckt unter anderem einer der Hersfelder Gästeführer, der hier mit Blick auf die Luther-Dekade tätig werden möchte. Der Turm könnte demnach als „Luther-Klause“ mit Bierausschank zum geselligen Schlusspunkt organisierter Führungen werden. Für eine funktionierende Heizung und andere erforderliche Arbeiten will der Pächter in spe auch sorgen wollen. Hört sich interessant an, dieser Vorschlag.

Nach langer Funkstille hat sich gestern Intendant Dieter Wedel wieder zu Wort gemeldet und das Eichhof- und das Kinderstück bekanntgegeben. Schön, dass das neue Buchcafé als Spielstätte für die jungen Zuschauer auserkoren ist – so wird dieser Leuchtturm der Ganzjahres-Kultur auch in das Festspiel-Konzept eingebunden. Schade aber, dass den Jüngsten so der Zauber der Stiftsruine verloren geht. Der kaufmännische Geschäftsführer der Festspiele, Stefan Pruschwitz, berichtet zudem, dass der Kartenabsatz zufriedenstellend sei und das Werben um neue Sponsoren so erfolgreich läuft, dass die Open Air-Produktion der „Sommernachts-Träumereien“ im Park vor der Ruine gesichert ist.

Doch natürlich wird im Städtchen trotzdem getratscht. Angeblich droht den Festspielen ein neues Defizit. Kolportiert wird ein Finanzloch von rund einer halben Million Euro – angeblich auch deshalb, weil die Krumme-Halle an der Hochbrücke als Festspielort ertüchtigt werden soll. Wir fragten lieber mal nach: Sowohl Stefan Pruschwitz als auch Bürgermeister Fehling sind ganz entspannt. Die Wunschliste von Intendant Wedel sei zwar lang, ihre Erfüllung hängt aber allein von Sponsorenzusagen ab.

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