Wochenendporträt: Norbert Brandau aus Rotenburg ist General Manager bei Amazon

Der Herr der Päckchen

Die Chemie stimmt: Der gebürtige Weiteröder Norbert Brandau ist Chef im „Fra 3“ von Amazon. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Mit dem Periodensystem der Elemente und mit chemischen Reaktionsketten kennt er sich aus. Denn Norbert Brandau hat Chemie studiert. Doch bei der Arbeit im Labor, zwischen Reagenzgläsern und Bunsenbrennern, fehlten ihm die Menschen.

„Schon im Studium habe ich immer meine Fachbücher bei Amazon bestellt, und als ich dann gesehen haben, wie in Bad Hersfeld das neue Logistik-Zentrum gebaut wird, habe ich mich einfach beworben“, erzählt er. Seit 2002 heißt seine Reaktionskette nun „just in time“, genau pünktlich – und Norbert Brandau ist in seinem Element.

Chaotische Lagerhaltung nennen sie bei Amazon das scheinbare Durcheinander in den Lagerhallen, bei dem doch alles seinen Platz hat. Um hier den Überblick zu behalten, hilft Brandau „das Denken in klaren Strukturen“, wie er es als Naturwissenschaftler gelernt hat. Gute Vorbereitung und gute Planung sind das Credo des „General Managers“ des „Fra 3“ von Amazon, des großen Verteilzentrums an der Amazonstraße. Dort ist er quasi der „Herr der Päckchen“ und dabei doch kein abgehobener Chef.

„Hallo, Norbert!“

Wenn Brandau seine schon leicht abgewetzte Warnweste überwirft und durch die quirrligen Hallen geht, dann heißt es überall: „Hallo Norbert!“ Bei Amazon sind alle per Du, und gerade diese Lockerheit schätzt Brandau an der US-Unternehmenskultur. Es gehe bei Amazon nicht um den Rang, sondern um die Fachkompetenz. „Der amerikanische Stil ist sehr menschlich“, sagt Brandau und widerspricht damit dem üblichen Vorurteil von knallharter „Hire-and-Fire“-Politik.

Trotz der seit Jahren andauernden Streikaktionen von Verdi für einen Tarifvertrag nach Einzelhandelskonditionen hat Brandau ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat. Den direkten Kontakt zu seinen rund 1700 festen Mitarbeitern im „Fra 3“ sucht Brandau beispielsweise bei den so genannten Geburtstagsrunden, lockeren Gesprächskreisen „ohne Hürden“, zu denen je Woche Kollegen eingeladen werden, die Geburtstag hatten.

„Dadurch werden Formalismen abgebaut“, sagt Brandau. „Menschlichkeit ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt bei der Arbeit, auch wenn bei Amazon natürlich nicht alles rosig ist.“ Wenn ihm in seinem Bekanntenkreis die üblichen Vorurteile gegen Amazon präsentiert werden, dann reagiert Brandau ganz gelassen: „Glaubt ihr, ich ließe mich 13 Jahre lang schinden“, kontert er dann.

Die Chemie stimmt

Aber natürlich ist der Job bei Amazon fordernd. Morgens um sieben sitzt Brandau an seinem Schreibtisch und plant seinen Tag, so strukturiert wie ein Naturwissenschaftler eben. Rund zehn Stunden täglich ist er normalerweise auf dem Amazon-Berg. Doch auch nach Feierabend legt er das Handy nicht weg und beantwortet Anfragen auch noch nach 23 Uhr. Die Reaktionsketten sind eben kurz. Und zwischen Amazon und Norbert Brandau stimmt einfach die Chemie.

Von Kai A. Struthoff

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