Heringer Verhältnisse machen Schule

Mario Reymond

Wer hätte das gedacht? Die Heringer Stadtpolitik macht Schule. Thomas Dickert, Dozent für Kommunalrecht und Kommunalverfassungsrecht, will die nächste Abschlussprüfung an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden mit speziellen Aufgaben aus der Werrastadt garnieren. Dickert, der selbst 18 Jahre Bürgermeister in Biebergemünd gewesen ist, meldete sich dieser Tage im Heringer Rathaus, um sich selbst noch einmal ganz genau zu vergewissern, dass er seinen Schülern auch tatsächlich die richtigen Fragen stellen wird.

So werden die Verwaltungsschüler beantworten müssen, wie es zur eigenartigen Sitzverteilung im Heringer Magistrat kommt. Dort haben CDU, SPD und WGH jeweils zwei Sitze. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung im Jahre 2011 hatte die WGH jedoch 46,1 Prozent der Stimmen erhalten und war stärkste Kraft geworden. Die SPD kam auf 36 Prozent und die CDU auf 17,9 Prozent. Demnach ergab sich für die der Stadtverordnetenversammlung folgende Sitzverteilung: WGH 14, SPD elf und CDU sechs Sitze. Danach müsste eigentlich die WGH als stärkste Fraktion auch über die personelle Mehrheit im Magistrat verfügen. Ist aber nicht so. Kopfzerbrechen dürfte den Prüflingen auch die Tatsache bereiten, dass der Erste Stadtrat Johannes Beyer ein Sozialdemokrat ist. Und auch das Stadtparlament wird, nachdem WGH-Politiker Manfred Wenk sein Mandat niedergelegt hatte, seit geraumer Zeit von Detlef Scheidt, ebenfalls Sozialdemokrat, geführt. Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: SPD und CDU haben vor der Zusammensetzung der einzelnen Positionen den Schulterschluss gesucht und so auf dem Papier die zahlenmäßige Mehrheit erreicht. Eigentlich ganz einfach, oder?

Heftige Diskussionen dürfte es gestern Abend wieder einmal bei der Wählergemeinschaft Heringen (WGH) gegeben haben. Dort stand nun bereits der dritte Versuch an, einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Fritz Walter, der für die WGH als Stadtrat im Magistrat sitzt, hat wegen der unzähligen parteipolitischen Scharmützel keine Lust mehr auf das Amt. Wie er mitteilte, sei der Gärungsprozess innerhalb der WGH noch voll im Gange. Bekanntlich hatten sich einige WGH’ler am 27. März im Stadtparlament dafür ausgesprochen, ein Abwahlverfahren gegen Bürgermeister Hans Ries einzuleiten. Dieser Versuch war jedoch wegen einer fehlenden Stimme gescheitert (wir berichteten). Und jetzt will Hans Ries, der einst die WGH als Gründungsvater ins Leben rief und 2011 im Streit aus der Gruppierung ausgeschieden war, wieder in seine WGH zurückkehren. Der Vorstand habe seinem Aufnahme-Ersuchen bereits entsprochen. Mal sehen, wie darauf die Ries-Gegner in Reihen der WGH reagieren werden. Es bleibt spannend.

Gute Nachrichten gibt es unterdessen für alle von der Parkplatzsuche am Klinikum Bad Hersfeld genervten Autofahrer. Das geplante neue Parkhaus am Seilerweg nimmt Gestalt an. Erste schicke Entwürfe liegen vor. Im Moment durchläuft das Projekt die vorgeschriebenen bürokratischen Ausschreibungs- und Prüfungsverfahren. Wenn alles glatt geht, hofft man im Klinikum darauf, dass das neue Parkhaus noch in diesem Jahr in Betrieb geht.

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