Lore Grotjahn erinnert sich an Besinnlichkeit

Hell und hoffnungsvoll

Lore Grotjahn

Nachdem in den vergangenen Tagen bereits Politiker, Geistliche und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft von ihren schönsten Weihnachtserlebnissen berichtet haben, erreichen die Redaktion nun die ersten Erlebnisse unserer Leser.

Lore Grotjahn erzählt vom Dezember 1944. Damals war sie neun Jahre alt. In einem kleinen Dorf in Niedersachsen feierten Lore Grotjahn, ihre Mutter und ihre Großeltern das Fest – ihr Vater wurde in Russland vermisst und kam nicht mehr nach Hause.

„Einen Weihnachtsbaum hatte uns ein Bauer aus seinem Wald geschenkt“, erinnert sich die Hersfelderin – nur Kerzen hatten sie damals nicht. „Kurz vor Heiligabend brachte uns eine alte Frau Bienenwaben, aus denen mein Großvater Kerzen gießen sollte.“ Bis heute hat sie deutlich vor Augen, wie ihr Großvater in der Küche das Bienenwachs in eine aus Blech geformte Hülle goss. „Ich musste einen Faden als Docht ganz still halten.“

Die Stunden in der Küche waren voller Freude und Erwartung aber auch Spannung. Am Ende entstanden „sechs wunderschöne Kerzen“.

„Drei Kerzen kamen an unseren Weihnachtsbaum und drei Kerzen haben wir mit in die kleine Dorfkirche genommen“, erzählt sie. Auch andere Gottesdienstbesucher hatten einzelne Kerzen mitgebracht, so „strahlte der Weihnachtsbaum in der Kirche hell und hoffnungsvoll“.

Zu Hause freute sich die Familie dann über die drei gelben Kerzen. Besonders gut geschmeckt haben die gebratenen Äpfel aus der Backröhre des alten Kachelofens. Die Kerzen aber „wurden an den Weihnachtstagen immer nur für kurze Zeit angezündet, damit wir lange Freude daran hatten“, so Grotjahn.

Diese Besinnlichkeit und dieser Frieden gehe durch die übervolle Dekoration und das helle Licht überall heutzutage leider verloren. (rbe)

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen zu Weihnachten, und wie verbringen Sie die festlichen Tage? Schreiben Sie uns ihre Erlebnisse per E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de oder rotenburg@hna.de

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