Montagsinterview: Antonia Rösner koordiniert ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung

Helfer leisten Beachtliches

Ansprechpartnerin für ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer: Antonia Rösner koordiniert die Arbeit der freiwilligen Helfer. Foto: Schäfer-Marg

Hersfeld.Rotenburg. Flüchtlinge sind derzeit in vielen Kommunen des Kreises untergebracht. Um sie kümmern sich nicht nur die Mitarbeiter des Fachdiensts Migration bei der Kreisverwaltung. Viele Frauen und Männer im Kreis engagieren sich ehrenamtlich für die Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten. Sie alle haben eine Ansprechpartnerin: Antonia Rösner ist beim Fachdienst Migration angestellt und koordiniert die ehrenamtliche Arbeit. Ihre Stelle wird vom Land unterstützt. Wir sprachen mit ihr über Engagement und die kleinen und größeren Hürden für eine sinnvolle Betreuung.

Frau Rösner, werden Flüchtlinge in unseren Dörfern und Städten mit offenen Armen aufgenommen?

Antonia Rösner: Wir haben gemerkt, dass die Bereitschaft zur Hilfe größer wird, je mehr wir in die Öffentlichkeit gehen. Also in Bürgerversammlungen informieren, wie viele Flüchtlinge kommen werden und wie man ihnen helfen kann. In diesen Versammlungen werden zwar auch Ängste und Vorurteile seitens der Bürger deutlich, aber die große Mehrheit will helfen.

Was sind das für Leute, die sich engagieren?

Rösner: Als erste springen meist Nachbarn in die Bresche. Wir versuchen, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen, weil das die Integration erleichtert. Die Nachbarn sehen die Menschen und wollen ihnen helfen. Es sind vor allem Frauen, die sich für die Flüchtlinge engagieren, meist ältere, die schon im Ruhestand sind. Aber wir haben auch eine Jugendgruppe oder einzelne Jugendliche darunter. In Bad Hersfeld zum Beispiel hilft eine Abiturientin bei der Hausaufgabenbetreuung.

Mal ganz konkret: Was tun die Ehrenamtlichen?

Rösner: Sie fahren zum Beispiel Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen oder zu Freizeitaktivitäten. Sie vermitteln die deutsche Sprache oder leisten Hausaufgabenbetreuung. Oder sie stellen die Wohnorte vor, zeigen, wo man was findet. Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten: In Rotenburg vermittelt ein Mann interessierte Flüchtlinge an die umliegenden Sportvereine, in Ronshausen bietet eine Lehramtsstudentin in Zusammenarbeit mit der Grundschule Spielnachmittage für Kinder an, in der Unterkunft Immensee werden Computerkenntnisse vermittelt. Das sind nur ein paar Beispiele.

Werden die Angebote gut angenommen?

Rösner: Das dauert immer ein wenig. Die Flüchtlinge haben ja einen ganz anderen Hintergrund. Pünktlichkeit zum Beispiel hat bei ihnen einen anderen Stellenwert. Es braucht immer viel Zeit des gegenseitigen Kennenlernens und auch des Lernens der Strukturen. Mal kommen ganz viele zu den Terminen, dann mal nur einzelne und die auch noch verspätet. Das sind auch für Ehrenamtliche ungewohnte Herausforderungen. Zu Beginn geben wir den Ehrenamtlichen eine Checkliste, in der sie wesentliche Informationen finden.

Sie sind die Koordinatorin: Welche Fragen hören Sie am häufigsten?

Rösner: Das sind ganz praktische Themen. Zum Beispiel, welche Krankenscheine beim Arzt vorgelegt werden müssen. Oder wie es mit der Versicherung aussieht, wenn man die Flüchtlinge im Auto transportiert ....

Und – wie sieht es mit der Versicherung aus?

Rösner: Fahrzeuginsassen sind über die private Versicherung gedeckt. Wir empfehlen aber, bei der Versicherung noch einmal nachzufragen. Grundsätzlich sind die ehrenamtlichen Helfer auch über die Unfallkasse Hessen versichert.

Wartezeiten haben wir alle bei Ärzten – ist es denn einfach, Termine für die Flüchtlinge zu bekommen?

Rösner: Nein, nicht immer. Das läuft oft über die persönlichen Kontakte der ehrenamtlichen Helfer.

Bekommen die Helfer eine Aufwandsentschädigung?

Rösner: Das ist geplant. Was sie leisten, ist ja beachtlich, das sollte auch gewürdigt werden.

Wie helfen Sie, Kontakte zwischen Flüchtlingen und Helfern zu knüpfen?

Rösner: Die zuständigen Betreuer im Fachdienst Migration und ich bringen beide Gruppen zusammen, damit sie sich kennenlernen und eine Vertrautheit entstehen kann. Die eigentlich Beziehung muss sich dann erst entwickeln. Die Betreuer im Fachdienst sind auch die Ansprechpartner, wenn Fragen oder Unsicherheiten auftreten – zum Beispiel im Bereich Asylrecht. Geplan ist aber auch eine Schulung für ehrenamtliche. Sie müssen lernen sich abzugrenzen, wenn ihnen die Schicksale der Menschen zu nahe gehen. Und sie müssen lernen, dass viele Beziehungen nur vorübergehender Natur sind.

Werden noch weitere Helfer benötigt?

Rösner: Ja, durchaus. Nötig sind zum Beispiel Menschen, die mal bei einem Umzug mit anfassen und handwerkliches Geschick haben.

Kontakt: Antonia Rösner, Telefon 06621/873515, E-Mail: antonia.roesner@hef-rof.de

Von Silke Schäfer-Marg

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