Die Einsatzkräfte des DRK kümmern sich auf Lolls um alle, die Hilfe benötigen

Helfer in (je)der Not

Halten bei ihrer Runde über den Marktplatz Ausschau nach Verletzten, helfen Lolls-Besuchern aber auch, den Weg zur nächsten Toilette zu finden: Angelika Pfaffengut, Victoria Bogon und Bereitschaftsleiterin Sarah Wolf (von links). Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. „Mir geht es bescheiden“, sagt der ältere Herr, der zum DRK-Container am Rande des Lolls-Trubels kommt und lächelt dabei fast entschuldigend. „Ich bräuchte mal ihre Hilfe.“

Sofort sind Sarah Wolf und ihre Kolleginnen zur Stelle und nehmen sich des Mannes an. Nach einer ersten kurzen Anamnese wird der Blutdruck gemessen, anschließend soll sich der Patient hinlegen und einen Schluck Wasser trinken. In einem Protokoll wird alles ganz genau festgehalten.

33 solcher Protokolle hatten die DRKler der Ortsvereinigung Bad Hersfeld bis Mittwochabend ausgefüllt. „Im vergangenen Jahr waren es allein am Lolls-Montag gut 50 Patienten“, erinnert sich Wolf. Die 25-jährige Erzieherin ist Bereitschaftsleiterin und teilt unter anderem die Dienste ein. Bei Lolls wird in mehreren Schichten gearbeitet, eine Schicht dauert in der Regel drei bis vier Stunden.

Der DRK-Container am Markt dient als Anlaufstelle bei Verletzungen aller Art, aber auch als Sammelstelle für Kinder, die ihre Eltern suchen. Mit einem Vorhang lässt sich ein wenig Privatsphäre schaffen, wenn Patienten behandelt werden. Im Aufenthaltsraum befindet sich zudem ein Wickeltisch, der vor allem am Lolls-Montag stark frequentiert wird.

Gefragt: der Wickeltisch im Container des DRK.

Der Tag des Festumzugs ist meist auch der Tag, an dem Wolf und ihre Kollegen am meisten zu tun haben. Am häufigsten haben sie es mit Verletzungen nach Schlägereien zu tun und mit Ausfallerscheinungen nach übermäßigem Alkoholgenuss. Schnittverletzungen seien eher selten.

Die Unfallhilfestelle im Container ist zu den Einsatzzeiten des DRK immer besetzt, die ehrenamtlichen Helfer drehen aber auch ihre festen Runden über den Rummel, um nach Hilfebedürftigen Ausschau zu halten. Immer dabei sind ein Funkgerät und die „San-Tasche“ für kleinere Notfälle. Darin befinden sich unter anderem eine Rettungsdecke und Verbandmaterialien. „Krisenherde“ sind das Feuer und einschlägige Kneipen.

Für die 16-jährige Angelika Pfaffengut und die 17 Jahre alte Victoria Bogon ist es der erste Lolls-Einsatz. Sarah Wolf ist schon seit zehn Jahren dabei. „Es ist schön, helfen zu können und wir haben eine tolle Gemeinschaft“, erklärt Bogon den ehrenamtlichen Einsatz während andere feiern.

Dabei sind nicht immer nur medizinische Kenntnisse gefragt, auch als Seelentröster oder Streitschlichter machen sich die Sanitäter verdient – etwa wenn im Container plötzlich gleich drei Verletzte versorgt werden müssen, die sich zuvor noch miteinander geprügelt haben. Nebenbei helfen die DRK-Kräfte bei den unterschiedlichsten Anliegen.

Bei ihrer Runde über den Marktplatz wollen zwei Schausteller, die am Vormittag beim Dippenmarkt waren, etwa wissen, wo sie gut essen können. Am späteren Abend taucht ein Mann am Container auf und fragt, wann und wo er an die Lose für die Freiverlosung kommt, einer Dame weisen die DRKler den Weg zur nächsten Notdienstapotheke. „Die häufigste Frage aber ist: Wo sind die Toiletten?“, berichtet Sarah Wolf schmunzelnd.

Ansonsten sind es an diesem Abend nur kleinere Wehwehchen, die es zu versorgen gilt. Eine junge Frau braucht ein Kühlpad für ihre Lippen, nachdem sie von einer Freundin etwas zu überschwänglich begrüßt wurde. Immerhin kann sie über das Missgeschick noch lachen. Nicht zum Lachen zumute ist dem jungen Mann, der aus dem Polizei-Container gegenüber kommt. Ihm hat jemand ins Gesicht geschlagen.

Seit 34 Jahren ist Renate Tobias für das DRK im Lolls-Einsatz. „Ich habe schon alles erlebt“, sagt sie. Auch wo es die Freilose gibt, weiß sie natürlich.

Von Nadine Maaz

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