Adventsporträt: Julia Dobschinski aus Bad Hersfeld arbeitet seit 2008 für die Tafel

Helfen ist ihr Vollzeitjob

Fleißige Helferin: Julia Dobschinski arbeitet seit 2008 ehrenamtlich für die Hersfelder Tafel. Zur Essensausgabe werden Körbe mit Lebensmitteln bepackt. Ein Weihnachtsmann darf zurzeit nicht fehlen. Foto: Marth

Bad Hersfeld. Zwei Minuten machten den Anfang. Eine spontane Idee, ein kurzer Anruf – und schon wenige Tage darauf ging es los. Julia Dobschinski hätte in diesem Moment niemals erwartet, dass daraus eine wichtige Zeit ihres bisherigen Lebens werden sollte.

Der Tag, an dem die 21-jährige Bad Hersfelderin dieses Telefonat mit Silvia Hemel von der Hersfelder Tafel führte, liegt knapp zweieinhalb Jahre zurück. Irgendwann im August 2008. Julia Dobschinski hatte einige Wochen zuvor ihre Ausbildung abgebrochen und suchte eine Aufgabe, um die freie Zeit zu überbrücken.

„Ich habe damals einfach überlegt, was ich machen kann, denn nur Bewerbungen schreiben und der ein oder andere Nebenjob, das reichte mir nicht“, erinnert sich die junge Frau. „Dann kam ich irgendwie auf die Tafel und habe da angerufen.“ Sie erzählt, dass sie ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin abgebrochen hat und wie die darauf folgenden Monate verliefen. Ihr Blick ist wachsam und der Klang ihrer Stimme herzlich und angenehm ruhig. „Ich habe dann gleich gemerkt, dass es das war, was mir gefehlt hatte“, verrät sie. Ihre großen Augen strahlen.

Eine Menge zu tun

Noch in der Woche des Anrufs hilft Julia Dobschinski einen Vormittag bei der Hersfelder Tafel. Einige Tage später hat sie einen neuen „Vollzeitjob“. Lebensmittel sortieren, Essensausgabe, dazu Schriftverkehr und Büroarbeit – für die junge Frau gibt es allerhand zu tun. Und wenn bei der Tafel gerade genug andere helfende Hände am Werk sind, ist da ja noch die Bahnhofsmission ...

„Es hat einfach von Anfang an gepasst, das sind dort alles total tolle Menschen“, blickt Julia Dobschinski auf die Anfänge ihrer ehrenamtlichen Arbeit zurück und gerät fast ins Schwärmen, als sie, eine der Jüngsten, über die Weltoffenheit der mit 86 Jahren ältesten Helferin erzählt. Und auch mit den Menschen, für die Tafel und Bahnhofsmission Anlaufstellen sind, hatte sie nie Schwierigkeiten. „Klar hatte ich am Anfang auch Berührungsängste und war unsicher“, sagt die 21-Jährige, „aber das legt sich nach ein paar Wochen.“

Ob man von der Arbeit für und mit Menschen nicht auch bedrückende Erlebnisse mit nach Hause nimmt? „Das ein oder andere Mal schon“, gibt Julia Dobschinski zu. Die weichen Gesichtszüge wirken für einen Augenblick hart und sie erzählt, wie sie sich gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Helfern darum gekümmert hat, dass ein älterer Herr nicht dauerhaft obdachlos geworden ist. „Er kam dann irgendwann noch einmal und hat sich bedankt“, erinnert sie sich und schon ist das Lächeln wieder da: „So etwas gibt einem unheimlich viel.“

Im August dieses Jahres hat die Hersfelderin schließlich eine neue Ausbildung begonnen und ihren alten „Vollzeitjob“ beendet. Trotzdem versucht sie weiterhin, so oft wie möglich bei der Tafel mit anzupacken. „Es ist ganz praktisch, dass ich in Schichten arbeite, so kann ich weiter hinfahren und helfen“, erklärt sie, „das ist mir wichtig und macht einfach Spaß.“

Arbeit gibt Kraft

Auch in der Vorweihnachtszeit gibt es bei der Tafel eine Menge zu tun, und so verwundert es kaum, dass Julia Dobschinski ihre freien Stunden häufig dort verbringt. „Irgendwie tank’ ich da auf und gehe mit neuer Kraft heim“, sagt sie und erzählt von vielen Erfahrungen. Allein ein Lächeln bringe einen bei Menschen oft schon weiter, meint sie, und häufig brauche es gar nicht viel. In ihrem Fall brauchte es nur einen Anruf. Einen Anruf, der ihr Leben veränderte.

Von Kristina Marth

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