Ehrenamtliche Mitarbeiter des Weißen Rings unterstützen Opfer auf vielfältige Weise

Helfen, nicht mitleiden

Gewalt wirkt traumatisierend. Den Opfern stehen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings zur Seite. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg engagieren sich 14 Frauen und Männer. 140 Mitglieder gibt es hier insgesamt. 2Fotos: Weißer Ring/nh

Hersfeld-Rotenburg. Vom Finanzbeamten über den Psychologen, die Studentin, den Lehrer bis hin zum Unternehmer reicht das Spektrum derer, die sich im Kreis Hersfeld-Rotenburg ehrenamtlich für Kriminalitätsopfer einsetzen. Auch Gerhard Schuchardt aus Rotenburg und Karl Wessely aus Gilfershausen gehören zu den 14 Mitarbeitern des Weißen Rings.

36 Fälle mussten im vergangenen Jahr betreut werden, in diesem Jahr sind es schon 12. „Die Verbrecher gönnen uns keine Pause“, sagt Karl Wessely. Die Hilfeleistungen des Weißen Rings sind genauso unterschiedlich wie die Fälle. Da gibt es Opfer von Raubüberfällen, häuslicher Gewalt, Stalking oder Schlägereien.

Bei manchen reicht es, einfach nur zuzuhören, andere benötigen Begleitung zu Gerichtsverhandlungen - als moralische Unterstützung. In manchen Fällen benötigen die Opfer auch finanzielle Hilfe. Der erste Kontakt entsteht nach Angaben von Gerhard Schuchardt fast immer über die Polizei, mit der der Weiße Ring „sehr gut“ zusammenarbeite.

Hilfe bei Anträgen

Ein erstes Gespräch zwischen Opfern und Helfern dauert in der Regel zwei Stunden. Dabei erfahren Gewaltopfer zum Beispiel, dass sie Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz anmelden können oder sich bei der Berufsgenossenschaft melden sollten. Die Mitarbeiter des Weißen Rings helfen bei den Anträgen.

Sie können auch Menschen, in deren Wohnung eingebrochen wurde, eine Hotelunterkunft vermitteln, sogar zahlen, wenn die Opfer psychisch nicht in der Lage sind, weiterhin in der nun „entweihten“ Wohnung zu bleiben.Einer der spektakulärsten Fälle der jüngsten Zeit war der Überfall auf eine Familie in Hönebach infolge eines Banküberfalls - wir berichteten. Die Mitarbeiter des Weißen Rings hatten es auf einen Schlag mit vier Opfern zu tun.

„Wir sind Helfer und Unterstützer. Aber wir dürfen nicht mitleiden.“

Gerhard Schuchardt

So schwer traumatisiert war eine Hausbewohnerin, dass sie über den Weißen Ring eine Kur vermittelt bekam, um den Angriff unter Betreuung verarbeiten zu können. Solche Kuren zahlt der Weiße Ring, der sich selbst über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Erbschaften und Bußgeld aus Gerichtsverfahren finanziert.

Gewaltopfer kann jeder werden. Wie die Opfer die Tat überstehen, ist unterschiedlich: „Nicht aus jedem Kontakt entsteht auch eine Betreuung“, weiß Gerhard Schuchardt. „Aber es gibt auch Menschen, die wir über mehrere Jahre betreuen,“ ergänzt Karl Wessely. Selbstverständlich unterliegen die Betreuer der Schweigepflicht.

Die Helfer selbst müssen sich abgrenzen können: „Wir sind Helfer und Unterstützer. Aber wir dürfen nicht mitleiden“, erläutert Schuchardt. Der 63-jährige frühere Bankkaufmann arbeitet seit drei Jahren in der Opferorganisation mit. So lang ist auch Karl Wessely dabei. Der 64-jährige Informatiker gehört dem VdK-Kreisvorstand an und leistet auch noch ehrenamtlich Sozialberatung im Kreis.

Beide wünschen sich noch viel mehr Mitglieder im Weißen Ring. Mit 2,50 Euro Monatsbeitrag könne vielen Menschen geholfen werden. Fotos: Schäfer-Marg

Von Silke Schäfer-Marg

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