Jugendliche Schauspieler aus ganz Europa führen Stück in der Schildehalle auf

Helden in Zeiten der Krise

„Möge die Macht mit euch sein“: Ein ungewöhnliches internationales Theaterensemble probt in sehr anschaulicher Weise, wie Macht ein Instrument zur Manipulation Anderer beziehungsweise Andersdenkender sein kann. Foto: Gödel

Bad Hersfeld. „Der Tag als wir die Welt retteten“, lautet das Motto des dritten Jugendforums im Rahmen des Projektes Europolis 2050. Auch in diesem Jahr treffen schauspielerisch interessierte Jugendliche aus ganz Europa in der Schildehalle Bad Hersfelds zusammen, um gemeinsam ein Theaterstück zu entwerfen, zu proben und aufzuführen: 52 junge Belgier, Niederländer, Italiener, Rumänen, Zyprioten und Deutsche wachsen innerhalb einer Woche zu einem Team zusammen, lernen einander verstehen und schätzen.

Bereits seit 2010 veranstalteten die Bad Hersfelder Festspiele zusammen mit der „European Theatre Convention“ (ETC) diese besondere Form der europäischen Begegnung.

„Diesmal geht es im weitesten Sinne um Superhelden, Helden des Alltags und um die Frage: Was würde ich als erstes tun, wenn ich an der Macht wäre“, so Katja Heiser, künstlerische Leiterin und eine der drei Theaterpädagogen, die dafür sorgen, dass bei aller Kreativität am Ende ein zusammenhängendes Theaterstück herauskommt.

Realistische Choreographien

Dabei werden, soweit es zum Rahmenthema passt, auch die Vorschläge der jungen Schauspieler berücksichtigt. Unter anderem lernen sie, ihre „Macht zu benutzen“ und gleich den „Star Wars“-Filmen, Kontrahenten per Pseudo-Würgegriff durch die Schildehalle zu schleudern. Teilweise wirkt das schon erschreckend realistisch.

Doch was bei alledem fast noch mehr fasziniert als die bloße Choreografie, ist die Art und Weise, mit der aus anfänglich isolierten, nationalen Gruppen nach und nach, wie von Zauberhand und mit Hilfe der englischen Sprache, eine Einheit wird, ein ganz besonderes Theaterensemble.

„Ich werde auf jeden Fall mit guten Erinnerungen und sehr vielen E-Mail-Adressen nach Belgien zurückkehren“, meint die 16-jährige Michelle De Schepper. Der 17 Jahre alte Rumäne Carabulea Mihail Iulian berichtet froh, dass man nicht nur Neues über das Theater, sondern auch über andere Kulturen lerne und der 18-jährige Bad Hersfelder Frederik Alles erklärt: „Sicher, es wird auch über die Euro-Krise geredet, aber wir sprechen von Mensch zu Mensch und lassen die Politik außen vor. Wir sind in unglaublich vielen Dingen derselben Meinung.“

Also trotz aller großen politischen und wirtschaftlichen Krisen, in denen die Europäer stecken, worauf es im Endeffekt ankommt, sind die Menschen selbst und die Freundschaften zwischen ihnen. In diesem Punkt darf man gerne optimistisch in die Zukunft blicken, eine Zukunft, in der menschliches Miteinander staatliche Grenzen überwindet. Der erste Schritt ist schon getan.

Von Florian Gödel

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