Heute vor 250 Jahren wurde Johann Baptist Lingg von Linggenfeld geboren

Der Held von Hersfeld

Ein Denkmal für den Stadtretter: In Bad Hersfeld zeugen dieses Denkmal und der Linggplatz von der Heldentat des Lingg von Linggenfeld. Das Denkmal steht auf dem „Verbindungsweg“ von der Innenstadt zum Stiftsbezirk. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Die Geschichte vom wackeren Johann Baptist Lingg von Linggenfeld kennt bei uns jedes Schulkind. Heute wäre der Oberstleutnant, der am 24. April 1765 in Meersburg am Bodensee geboren wurde, 250 Jahre alt geworden. Grund genug, an seinen Akt der Menschlichkeit zu erinnern, der Hersfeld am Heiligabend 1806 vor der Plünderung und Zerstörung bewahrte.

Hersfeld war zu jener Zeit von französischen und italienischen Truppen Napoleons besetzt. Die Soldaten waren in privaten Häusern einquartiert. Darüber kam es zum Streit. Die Hersfelder Bürger bewaffneten sich mit „Äxten, Sensen, Stangen und dergleichen Mordgewehr“, wie es in historischen Aufzeichnungen heißt, und setzten sich zur Wehr. Dabei wurde ein italienischer Soldat getötet.

Die Erlaubnis zu plündern fängt jetzt an. Wer dazu Lust hat, der trete heraus aus dem Glied!’

Johann Baptist Lingg

Zur Strafe mussten die Hersfelder die Einquartierungskosten zahlen und eine Wiedergutmachungsleistung in Form von 5000 Paar Schuhen, 1000 Soldatenmänteln und 5000 Talern leisten. Damit aber nicht genug. Napoleon entschied, dass die Stadt „an allen vier Ecken angezündet“ werden sollte.

Diesen Befehl erhielt eben jener Oberstleutnant Johann Baptist Lingg, der mit seinem „Großherzoglich badischen Jägerbataillon Lingg“ an Napoleons Seite kämpfte.

Doch Lingg hatte ein Herz für die Stadt und die Menschen und führte den Befehl, mit Billigung seiner französischen Vorgesetzten, nur wörtlich aus. So wurden nur vier Gebäude ein Raub der Flammen. Bei der angedrohten Plünderung der Stadt sollte es jedoch bleiben. Doch auch hier rettete Lingg von Linggenfeld die Bürger Hersfelds.

Der badische Schriftsteller Johann Peter Hebel (1760 bis 1826), der als Pionier der alemannischen Mundartliteratur gilt, verfasste auch auf Hochdeutsch Kalendergeschichten. Eine davon widmete er Lingg von Linggenfeld.

Sie heißt: „Der Kommandant und die badischen Jäger von Hersfeld“. Darin schreibt er, ganz im Stile seiner Zeit:

„Da trat der brave Kommandant von Hersfeld vor die Reihen seiner badischen Jäger, stellte ihnen zuerst das traurige Schicksal der Einwohner lebhaft vor die Augen und sagte hierauf: ‘Soldaten! Die Erlaubnis zu plündern fängt jetzt an. Wer dazu Lust hat, der trete heraus aus dem Glied!’ So sprach der Kommandant; und wer jetzt ein Glas voll Wein hat neben sich stehen, der trinke es aus zu Ehren der badischen Jäger. Kein Mann trat aus dem Glied. Nicht einer! Der Aufruf wurde wiederholt. Kein Fuss bewegte sich; und wollte der Kommandant geplündert haben, so hätte er müssen selber gehen. Aber es war niemand lieber als ihm, dass die Sache also ablief; das ist leicht zu bemerken.“

Lingg von Linggenfeld wurde für sein Handeln von den hessischen Kurfürsten Wilhelm I. und Wilhelm II. mit dem Großkreuz des hessischen Löwenordens ausgezeichnet und geadelt. Er nahm noch an einigen Feldzügen teil und starb schließlich am 21. Januar 1842 in Mannheim. In Bad Hersfeld erinnert das Lingg-Denkmal auf dem Linggplatz an den Akt der Menschlichkeit inmitten des Krieges.

Gerade in Zeiten, in denen Menschen in der Ukraine, im Irak, in Syrien, Somalia oder dem Jemen in blutigen Konflikten um ihr Leben bangen, wünschte man sich mehr Soldaten wie Johann Baptist Lingg von Linggenfeld – den Helden von Hersfeld.

Der Magistrat der Stadt ehrt Lingg von Linggenfeld heute um 13 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Denkmal.

Von Kai A. Struthoff

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