40 Jahre Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Viel Lob für das gemeinsam Erreichte

Heimat ist ein Gefühl

Rund 250 geladene Gäste verfolgten am Donnerstagabend den Festakt im neuen Audimax der Obersbergschulen in Bad Hersfeld.

BAd Hersfeld. Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt musste nicht lange überlegen. Beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg stellte ihn Moderator und Schulleiter Karsten Backhaus launig vor die Wahl, ob er denn nun lieber HEF oder, wie künftig wieder möglich, ROF als Kennzeichen an seinem Dienstwagen haben möchte. „Ich behalte mein HEF-Kennzeichen“, sagte Schmidt, obwohl er in Nentershausen/Dens im Altkreis Rotenburg lebt.

„Wir haben heute ganz andere Probleme, als Autokennzeichen“, sagte der Landrat unter dem Applaus der rund 250 Gäste. Diese Probleme hatte er zuvor in seiner Rede benannt: Vor allem der demografische Wandel mache dem Kreis zu schaffen, der ebenso wie der Kreis Hersfeld-Rotenburg in den 70er Jahren seinen Anfang genommen habe. Seither hat der Kreis rund 9000 Einwohner verloren, dank gemeinsamer Anstrengungen habe dieser Abwärtstrend aber verlangsamt werden können.

Viel Lob kam von der früheren Staatssekretärin Oda Scheibelhuber: „Hersfeld-Rotenburg sei eine moderner, dynamischer Landkreis mit unverwechselbarem Gesicht – und es gibt nirgendwo eine schönere Landschaft“. Das Thema Gebietsreform indes sei „unsexy und trocken“. Dennoch sei ein Landkreis weit mehr als ein Dienstleister, sondern ein Stück Heimat. Aber: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“.

Ähnlich äußerten sich dann auch die Teilnehmer einer kleinen Podiumsdiskussion. Der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, Thomas Baumann aus Ludwigsau, der selber vor genau 40 Jahren aus Niedersachsen nach Hessen gekommen ist, sagte: „Alles, was aufgezwungen wird, wird zunächst abgelehnt.“ Diese Erfahrung habe man auch in der künstlich geschaffenen Großgemeinde Ludwigsau gemacht. „Aber die Bürger haben zueinandergefunden“, stellte er fest.

Der 45-jährige Staatssekretär Mark Weinmeister sagte, er sei in die Gebietsreform hineingeboren worden, wie viele seiner Generation könne er die emotionalen Diskussionen von 1972 nicht nachvollziehen.

Bei uns in Nordhessen ist das Glas in der Regel halb leer – nicht halb voll. Auch das müssen wir ändern.

Landrat Dr. Schmidt

Der Kreistagsvorsitzende Horst Hannich indes war damals politisch mittenmang. „Es braucht Zeit, um Vorbehalte abzubauen“, sagte er und hob hervor, wie wichtig dabei Gespräche, Erörterungen und Kompromisse seien.

Und für eben diese Gespräche blieb im Anschluss an den Festakt, der von den Ulli-Meiß-Chören und der Musikschule des Kreises umrahmt wurde, viel Zeit. Bei leckeren Häppchen aus regionalen Produkten, die von den Fachschülern der Beruflichen Schulen am Obersberg kredenzt wurden, erwies sich dann, dass unser Kreis nicht nur schön, sondern auch schön schmackhaft ist.

Von Kai A. Struthoff

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