250 Dinge, die wir an der Region mögen (170): Der Badborn in Schenklengsfeld

Heilung am Brunnen

Mit Ruhebänken lädt die Badborn-Anlage in Schenklengsfeld zum Verweilen ein. Und wer weiß, vielleicht hat das Wasser ja tatsächlich wundersame Kräfte. Fotos: Honikel

Schenklengsfeld. Wer Schenklengsfeld in Richtung Unterweisenborn verlässt, wird unmittelbar links hinter der alten Kreisbahnbrücke eine kleine Parkfläche mit einem größeren Gedenkstein wahrnehmen. Hier unter schattigen Bäumen laden Bänke zum Verweilen ein und im hinteren Teil des Platzes steht eine Brunnenanlage mit der Inschrift „Rhön-Club 1931“. Was hat es mit diesem Brunnen auf sich?

Es ist der „Laenschelder Boaboenn“, wie er im Landecker Amt genannt wird. Schon 1455 wird in Urkunden der Abtei Hersfeld das Heilwasser von Schenklengsfeld erwähnt. Nach einer weiteren Erwähnung in 1617 als Frauenheilwasser kommt es ab 1688 für einige Jahre zu einem regelrechten Bade- und Kurbetrieb in „Bad Schenklengsfeld“. Ein Dr. Bachoff aus Gotha hatte in einem längeren Gutachten dem erneut sprudelnden Quellwasser eine vorzügliche Heilwirkung für viele Krankheiten bescheinigt und stand auch als Badearzt zur Verfügung. Dies zog natürlich viele Kranke an, die sich durch Trinkkuren und Schlammbädern Heilung erhofften. Im Archiv der Kirchengemeinde Schenklengsfeld ist eine Reihe von Dokumenten erhalten, aus denen hier ein Dankschreiben zitiert werden soll:

„Attestatum, die hinfallende Krankheit betreff. Ich Endsunterschriebener Hochadelicher Thüngischer Schulmeister zu Völckersleier bekenne hiermit, das ich freytags den 29 t. Juny mit meinem Sohn welcher 10 Jahr alt und auf 3 Viertel Jahr lang mit der schweren Krankheit beladen gewesen alhier bey dem von Gott verliehenen Heylbrunnen angelangt, und obzwar mein Sohn auf dem Weg zu unterschiedenermahlen mit bemerkter Krankheit überfallen worden, so habe doch so balden er des Heylbrunnens sich bedient, keine Beschwerung ferner an ihm, wie vorhin, vermerken können. Wovor dem Allerhöchsten von grund des hertzens Lob und Dank gesagt sey, derselbe wolle bemelten meinen Sohn bey der verliehenen Gesundheit ferner in Gnaden erhalten, um seines lieben Sohnes Jesu Christi willen, Amen. Schencklengsfeld, d. 4. July 1688 Wolff Dieterich Kraus“

Vom Schenklengsfelder Pfarrer Meurer ist auf diesem Blatt noch angefügt: Ein gleiches ist auch von glaubwürdigen Personen erzehlet worden von einer Person in Schlüchtern so Gott der Herr gleichfalls kraft des Brunnenwassers von gedachter Schwachheit erlediget haben solle, daran sey sonst des öfteren laborieret worden.

Geld für die Kirche

Die „Kurgäste“ haben bei ihrem Besuch am Gesund- und Heilbrunnen auch mehr oder weniger Geld gespendet, das von den so genannten Brunnenschöpfern Johannes Pfaff und Hans Wolff angenommen und täglich in einem Einnahmebüchlein verzeichnet wurde. Nachdem mit dem Amtmann und der landgräflichen Verwaltung in Kassel geklärt worden war, wem dieses Geld zustand, durfte der Pfarrer die Brunnenkasse verwalten und ein Teil davon für Anschaffungen in der Kirche und in der Schule ausgeben. Auch zum Kirchenbau in Wippershain ist ein ansehnlicher Beitrag geleistet worden. Wie die Unterlagen belegen, sind schließlich noch die Armen im Amt Landeck und die mittellos angereisten Kranken mit Geld bedacht worden.

Die heutige Brunnenanlage von 1931 wurde vom damaligen Rhönclubzweigverein Landeck zu Schenklengsfeld errichtet. In 1962 hat der Heimatverein Landeck 1953 e.V. wegen einer Straßenverlegung den Brunnen nach hinten versetzt und davor die kleine Parkfläche mit Ruhebänken angelegt.

Wenn auch das Wunderwasser nicht lange vorgehalten hat, so haben doch die Schenklengsfelder früher das gute Wasser gerne in Krügen mit zur Feldarbeit genommen. Einige der Älteren behaupten sogar, sie hätten gelegentlich dort am Boaboenn den Klapperstorch gesehen …

Von Karl Honikel

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