Freiberufliche leiden unter gestiegenen Versicherungsprämien

Hebammen klagen über arge Existenznot

Hersfeld-Rotenburg. Immer mehr freiberufliche Hebammen müssen den Kern ihrer Arbeit aufgeben: die Geburtshilfe. Grund dafür ist der Anstieg der Berufshaftpflicht um 15 Prozent. Ab Juli soll eine freiberufliche Hebamme 4242 Euro pro Jahr für die Haftpflicht zahlen.

„Gerade der Kreis Hersfeld-Rotenburg ist betroffen, seitdem das Krankenhaus St. Elisabeth im Bad Hersfelder Kurpark geschlossen hat“, erzählt Ute Petrus vom Berufsverband der hessischen Hebammen. Im Rotenburger Krankenhaus wurde die Geburtsstation bereits 2011 geschlossen. Es gebe natürlich andere Bereiche wie die Geburtsvorbereitung und die Wochenbettbetreuung, dennoch sei die Geburt eines Kindes ein Hauptteil im Beruf der Hebamme.

Auch der Deutsche Hebammenverband schlägt Alarm. Denn obwohl die meisten Hebammen zufrieden mit ihrer Arbeit sind, hat fast jede vierte aufgrund finanzieller Sorgen ans Aufgeben gedacht.

„Wenn man von dem Beruf leben will, muss man viel arbeiten“, sagt Petrus. Denn wie eine Studie belegt, haben freiberufliche Hebammen einen Nettolohn unter zehn Euro in der Stunde. Das führt dazu, dass elf Prozent der Frauen über 60 Stunden in der Woche arbeiten, um ein akzeptables Einkommen zu erzielen.

„Die Geburtshilfe rentiert sich nicht mehr. Die Erhöhung der Haftpflicht ist ein ordentlicher Schlag ins Kontor“, sagt auch die Hebamme Iris Egel aus Bad Hersfeld.

Im Zuge der Schließung des Krankenhauses St. Elisabeth habe das Klinikum Bad Hersfeld freiberuflichen Geburtshelferinnen Stellen angeboten. „Bei uns sind jetzt drei freiberufliche Hebamme beschäftigt“, berichtet Martin Ködding, der Geschäftsführer des Klinikums in Bad Hersfeld.

Wie die Hebammen sind natürlich auch die Schwangeren betroffen. Sie müssten für eine Alternative zur Geburt im Klinikum Bad Hersfeld weit fahren, sagt Petrus. ZUM TAGE, SEITE 2

Von Magdalena Dräger

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