In der Haut der anderen: Theater-AG probt für ihr neues Stück

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Eröffnungsszene: Mitglieder der Obersberg-Theater-AG springen mit durchsichtigen Kisten über die Bühne.

Bad Hersfeld. Laut schreiend fallen sich Schüler in die Arme, begrüßen sich überschwänglich. Die Kostümierung würde eher auf den Straßenstrich passen als in das Theaterstudio der Modellschule Obersberg. Diese Woche gehen die Proben der Theater-AG gehen in die letzte Runde.

In ihrem neuen Stück versuchen die Jugendlichen aus ihrer behüteten Hersfelder Welt auszubrechen und in fremde Stereotypen in Form krimineller polnischer Jugendlicher zu schlüpfen.

Noch herrscht Chaos, jeder sucht entweder Text, Kostüm oder Requisite. „Dein Kostüm ist zu geschmackvoll, der Rock zu lang, die Ohrringe sind zu schön“, ruft Leher Klaus Riedel der Schülerin Lea Christian zu.

In Eigenregie versuchen die Schüler, ihre Lichtrequisite aufzubauen. Ohne Verlängerungsschnur ist das schwierig. Klaus Riedel steht am Mischpult. Mit Schweißperlen auf der Stirn ruft er den Schülern zu: „Habt Geduld mit mir, jetzt ist auch noch mein iTunes weg!“

Das Bühnenbild, bestehend aus Ikea-Kisten und Leuchtstrahlern, ist fertig. Es kann los gehen, erster technischer Durchgang. Ein Junge im Leopardenfell schlägt erste Töne am Klavier an. Plötzlich, als hätte man einen Schalter umgelegt, beginnen die Jugendlichen, die zuvor wie Hühner gackertn, zu spielen. Sie sind in der Rolle, versuchen, die Idee des Stücks „Ich bin uninteressant, zeige es aber auf der Bühne“, umzusetzen. Es wird deutlich, dass viele eigene Ideen in dem Stück stecken.

Die Proben waren oft lang und nervenaufreibend, in Probenwochenenden entwickelte sich in zäher Kleinarbeit das Stück. Die Ideen für Musik, Kostüm und Rollenentwicklung hatten die Schüler selber. „Die Kostüme sollen so billig wie möglich aussehen, ohne dabei obszön zu wirken“, erzählt Lea Christian. Der Rahmen für das Stück stammt unter anderem von Renee Pollesch, einem deutschen Dramaturg und Regisseur.

„Ich habe mich selber besser kennen gelernt und gemerkt, dass ich Theater-Ich und Privates-Ich trennen muss“, berichtet die weibliche Hauptdarstellerin Magdalena Rossing. Sie spielt übrigens eine „polnische Schlampe“. „Klaus‘ Herzblut hängt am Theater, wir können froh sein, ihn zu haben“, erzählt Marvin Hemmstädt über den Spielleiter, der keine andere Ausrede als „schwere Erkrankung“als Entschuldigung akzeptiert, wenn jemand bei der Generalprobe fehlt.

Nach einer kleinen Pause geht die Probe weiter, im hektischen Aufstehen fallen die kleinen Spickzettel für den Text aus den Taschen, es sitzt eben alles noch nicht hundertprozentig.

Gemessen am Spaßfaktor bei den Proben dürfte das Stück sehenswert werden, auch wenn das Verstehen nicht ganz so einfach ist. (lb)

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