Bernd Schulze-Brüggemann und Annemarie Alt halfen in Urologieklinik in Ghana

Hausbesuch bei Dr. Kofi

Dankbarkeit für Dr. Kofi und seinen Mentor: Der Urologe im Ruhestand Bernd Schulze-Brüggemann (rechts) operierte bei seinem Besuch in Ghana auch diesen 92-jährigen Patienten (Mitte). In Kumasi besuchte er Kofi Baah Nyamekye (links), der im Hersfelder Klinikum zum Facharzt für Urologie ausgebildet wurde. Fotos: privat

Bad Hersfeld. Wenn Dr. Kofi Baah Nyamekye seinen Sohn ruft, liegt Bad Hersfeld plötzlich in Ghana. „Voarwinkl“, ruft er dann durch sein Haus in der Millionen-Metropole Kumasi. „Voarwinkl“ mit englischem R.

Der kleine afrikanische Junge ist nach der Oberärztin Christiane Vowinkel benannt, die sich im Hersfelder Klinikum um Kofi Baah Nyamekye gekümmert hat. Der 45-Jährige hat sich dort zum Facharzt für Urologie ausbilden lassen, inzwischen hat er sich seinen Traum erfüllt und in Kumasi eine eigene Klinik eröffnet.

In dem hübschen altrosa Gebäude mit den Bogenfenstern hat Dr. Kofi nun Besuch aus seiner alten Heimat Bad Hersfeld bekommen. Der ehemalige Leiter der Urologie am Klinikum, Bernd Schulze-Brüggemann, reiste mit seiner Frau Ursula und der Endoskopieschwester im Ruhestand Annemarie Alt nach Ghana, um in der neuen Klinik auszuhelfen.

Fachwissen im Gepäck

Mit Koffern voller medizinischer Geräte und viel deutschem Fachwissen im Gepäck stiegen die drei Waldhessen in den ghanaischen Ärztealltag ein. In dem westafrikanischen Land kommen auf 25 Millionen Einwohner gerade mal neun Urologen. Vor ein paar Jahren kamen bei einem Autounfall gleich drei der Fachkräfte gleichzeitig ums Leben.

„Viele Behandlungsmethoden sind in Ghana praktisch unbekannt“, sagt Bernd Schulze-Brüggemann, der von der Stiftung SES, dem „Senior Experten Service“ unterstützt wird. „Wir haben die Ausrüstung mitgebracht, damit in der Klinik nun auch Endoskopien gemacht werden können.“

Während seiner vier Wochen in Ghana operierte der Urologe im Ruhestand zig Patienten, die meist stundenlang geduldig auf ihre Behandlung gewartet hatten. Annemarie Alt schulte währenddessen Dr. Kofis Assistentinnen im Umgang mit den neuen Geräten. Von sterilem Operationswerkzeug hatten sie bis dahin noch nichts gehört.

Dass man seine westlichen Ansprüche auf einer Afrikareise am besten zu Hause lässt, dass Operationen bei Taschenlampenlicht keine Seltenheit sind, wussten Schulze-Brüggemann und seine Begleiterinnen schon vor dem Abflug.

„Man ist nie vorbereitet“

Doch die unbarmherzige feuchte Hitze, die Krankenhäuser, in denen 45 Patienten von einem einzigen Arzt betreut werden, mussten die Reisenden erst erleben. „Man ist nie vorbereitet“, sagt Ursula Schulze-Brüggemann. „Es sind so viele Eindrücke, dass man sie gar nicht gleich verarbeiten kann.“

In Kumasi, einer rastlosen Stadt, in die sich kaum je ein Tourist verirrt, trafen die deutschen Helfer auf gemischte Reaktionen. „Viele kleine Kinder haben geschrien, wenn sie uns gesehen haben“, erzählt Bernd Schulze-Brüggemann. „Ich glaube, sie hatten noch nie einen Weißen gesehen.“

Von den älteren Patienten erfuhren die weitgereisten Gäste jedoch viel Dankbarkeit, die sie nicht vergessen werden. Da war zum Beispiel der 92-Jährige, den Schulze-Brüggemann von seinem Prostata-Leiden befreite. Als er ein paar Tage nach der Operation nach ihm sehen wollte, begrüßte ihn der alte Mann ehrfürchtig mit Militärgruß. Dann fiel er dem „German Doctor“ um den Hals. EIN LAND...

Von Saskia Trebing

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