Allgemeinmediziner weisen auf schlechte Vergütung und Nachwuchsproblem hin

Hausärzte streiken am Mittwoch

Dr. Martin

Hersfeld-Rotenburg. Die meisten Hausarztpraxen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bleiben am kommenden Mittwoch, 15. September, geschlossen. Die Allgemeinmediziner beteiligen sich an einem bundesweiten Streik, zu dem der Hausärzteverband aufgerufen hat.

Nach Angaben des Bezirksvorsitzenden des Hausärzteverbands, Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld, werden sich etwa 70 der 90 Hausärzte im Landkreis an dem Streik beteiligen. Die Versorgung im Notfall sei aber über die Notdienstzentralen gewährleistet.

Mit dem Streik wollen die niedergelassenen Ärzte darauf hinweisen, dass ihr Beruf immer unattraktiver wird. Schon jetzt gebe es erhebliche Nachwuchssorgen, sagt Ebel. In Bad Hersfeld allein seien elf Allgemeinmediziner über 60 Jahre alt – nur einer habe einen Nachfolger in Aussicht.

Die Politik müsse endlich für längerfristige Regelungen der Entlohnung und höhere Erlöse sorgen. Nur wenn sie sich darauf verlassen könnten, würden sich junge Mediziner auch als Hausärzte niederlassen, erklärt Ebel.

Der aktuelle Protest richtet sich gegen eine geplante Gesetzesänderung, die unter anderem die erst vor einem Jahr eingeführten Hausarztverträge verändert. Patienten können sich freiwillig an ihren Hausarzt binden, der dann stets Anlaufstation für sie ist und als Vermittler zu den Fachärzten fungiert. Die Patienten sparen dafür die Praxisgebühr, die Hausärzte erhalten mehr Geld.

Bisher waren die Krankenkkassen verpflichtet, solche Verträge mit dem Hausärzteverband abzuschließen. Nun soll die Regelung freiwillig werden. Außerdem sollen die Hausärzte nicht mehr zusätzlich für ihre Dienste entlohnt werden, um Kosten zu sparen.

Nach Ansicht von Dr. Eckart Auel aus Bad Hersfeld ist die Hausarztregelung derzeit die einzige Möglichkeit, den Beruf des Allgemeinmediziners finanziell etwas attraktiver zu machen. Er ärgert sich darüber, dass die Politik die Hausärzte so sehr ignorier. Ihm gehe es aber nicht darum, selbst mehr Geld zu verdienen, betont er. Vielmehr wolle er auf die Gefahr hinweisen, dass sich immer weniger Mediziner niederlassen werden, wenn es sich für sie nicht rentiert.

Von Marcus Janz

Kommentare