Brücke baut acht Wohnungen mit flexibler Betreuung für psychisch kranke Menschen

Ein Haus, das Schutz bietet

Petra Wilke und Erwin Binkofski inspizieren die Baustelle des neuen Wohnhauses, das der Verein „die Brücke“ am Grünen Weg in Bad Hersfeld baut. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Große Fenster schweben am Ausleger des Krans über der Baustelle im Grünen Weg in Bad Hersfeld. Hier entstehen acht Apartments für psychisch kranke Menschen. Bauherr ist der Verein „die Brücke“.

Seit dem Herbst wird an dem neuen Projekt der Brücke gebaut. Inzwischen ist das Dach gedeckt und der Innenausbau hat begonnen. Erwin Binkofski vom Vorstand der Brücke und Petra Wilke, die das Wohnheim Elke-Kamm-Haus leitet, hoffen, dass das Haus noch in diesem Jahr bezogen werden kann.

Bedarf ist groß

Denn der Bedarf für Wohnungen mit flexibler Betreuungsmöglichkeit ist groß. Schon jetzt gibt es mehr Interessenten als Wohnungen.

„Viele Menschen suchen den Schutz eines Hauses, in dem Betreuer vor Ort oder zumindest rund um die Uhr erreichbar sind“, sagt Erwin Binkofski. „Sie wollen raus aus der Einsamkeit, der Isolation des Alleinlebens und brauchen Unterstützung, um ihr Leben meistern zu können.“ In dem geschützten Umfeld muss ein psychisch kranker Mensch nicht immer wieder erklären, was seine Krankheit für Folgen hat und dass er bestimmte Dinge einfach nicht schaffen kann. Er erhält Angebote, die ihm helfen, den Tag zu strukturieren, die er annehmen kann, aber nicht muss.

Betrieben wird das neue Wohnhaus der Brücke in enger Zusammenarbeit mit dem Wohnheim und der Tagesstätte. Es sei eine Art Zwischenstation zwischen der relativ engmaschigen Betreuung im Wohnheim und dem selbständigen Leben alleine in einer Wohnung, erläutert Binkofski. Die Hilfsangebote werden für jeden Einzelnen flexibel gestaltet. Die Menschen könnten dort so lange wohnen, wie es erforderlich sei. Es gebe keine festen Fristen. Ziel sei es, so Binkofski, dass die Menschen mit Hilfebedarf wieder stabil und ohne Hilfe in der Gesellschaft leben könnten.

In dem Haus entstehen acht Apartments mit einer Größe zwischen 20 und 35 Quadratmetern, erläutert Petra Wilke. Jede der kleinen Wohnungen verfügt über ein eigenes Bad und eine kleine Küchenzeile. Zusätzlich entstehen jedoch Gemeinschaftseinrichtungen. In den mittleren Etagen des in den Hang gebauten Hauses gibt es für jeweils drei Apartments auch eine Küche und einen Wohnraum, die gemeinsam genutzt werden können. Und in der untersten Etage sind ein großer Mehrzweckraum und ein Büro geplant. So soll Gemeinschaft ebenso ermöglicht werden, wie Rückzug.

Die Kosten von 650- bis 700 000 Euro stemmt der Verein aus eigenen Kräften und mit Krediten. Fördergelder gibt es dafür nicht. „Spenden sind aber sehr willkommen“, sagt Petra Wilke. www.diebruecke-badhersfeld.de

Von Christine Zacharias

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