Hauen und Stechen um die Gebietsreform

Hallo, liebe Leser der Hersfelder Zeitung,

bei uns in Thüringen geht es munter weiter mit dem Hauen und Stechen um die Gebietsreform. Kaum ein Thema wird seit Jahren so heiß diskutiert wie die Veränderung kommunaler Strukturen. Für die Stadt Eisenach mit nur knapp 43 000 Einwohnern war die Bürde der Kreisfreiheit zu schwer. Schulden von vielen Millionen wurden angehäuft.

Seit Jahren kann die Stadt keinen Haushalt mehr beschließen. Oberbürgermeister Matthias Doht (SPD) und auch seine Nachfolgerin Katja Wolf (Linke) müssen für jedes größere Vorhaben, bei dem ein finanzieller Eigenanteil der Stadt notwendig ist, betteln gehen. Nun reicht es offensichtlich. Die Oberbürgermeisterin hat beim Thüringer Innenministerium um Rückkreisung in den Wartburgkreis gebeten, der Stadtrat hat ihr für die Verhandlungen mit dem Kreis das Mandat erteilt.

Nun soll alles das wieder zusammengeführt werden, was Anfang der 90er Jahre in fast zweijährigen Verhandlungen mühsam auseinanderdividiert worden ist. Viele hatten damals vor der Kreisfreiheit gewarnt, immer das Beispiel Fulda vor Augen. Die Skeptiker haben Recht behalten. Es ist so weit. Eisenach muss in den Kreis zurück.

Im März will auch der Kreistag des Wartburgkreises Landrat Reinhard Krebs (CDU) das Mandat für die Verhandlungen erteilen. Bis dahin soll nur sondiert werden. Um den Verhandlungen überhaupt eine Chance zu geben, soll der Kreisstadtstatus erst einmal ausgeklammert werden. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Die Eisenacher Stadträte fanden den Vorstoß ihrer Oberbürgermeisterin zum Status „große kreisangehörige Stadt“ überhaupt nicht gut. Dafür hat sie in dieser Woche bereits richtig Prügel bezogen. Aber das dürfte Katja Wolf als Oberbürgermeisterin der Linken in den ersten Monaten ihrer Amtszeit bereits gewohnt sein.

Und auch die Bad Salzunger sind überhaupt nicht bereit, Eisenach den Kreisstadtstatus so einfach zu überlassen. Ihre Hoffnungen ruhen nun auf dem Gutachten der Expertenkommission zur Verwaltungs- und Gebietsreform in Thüringen. Danach soll der ehemalige Landkreis Schmalkalden dem Wartburgkreis zugeschlagen werden. Und dann wäre Bad Salzungen der Mittelpunkt dieses neuen Großkreises und es steigen die Chancen auf den Kreisstadtstatus. Aber psst ..., das ist alles noch ganz geheim.

Doch wenn sich einige Bürgermeister und Kommunalpolitiker heute die Hände reiben und sich sicher sind, ihre Strukturen sind nach aktuellen freiwilligen Zusammenschlüssen unumstößlich, sollten sie aus der Eisenacher Geschichte lernen. Auch die Wartburgstädter waren sich einst sicher, dass mit der Kreisfreiheit die Entwicklung der Stadt eine gigantische Geschwindigkeit erreichen würde. Aber schnell wurde der Rekordversuch beendet und die Stadt fiel in das Schuldenloch.

Also kommt Eisenach zurück und die Wartburg steht wieder im Wartburgkreis. So manche Gemeinde wird sich in naher Zukunft neu orientieren müssen. In dieser Woche sickerte durch, dass die Experten von Gemeindegrößen mit 12 000 Einwohnern ausgehen. Da kann es nicht schaden, sich gut mit den Nachbarn zu stellen. Vielleicht gehören die ja bald zur engsten kommunalen Familie.

Übrigens, ich bin sicher, die Narren im ganzen Wartburgkreis werden den Ärger um die Gebietsreform in ihrer unverwechselbaren Art interpretieren. Also hinein ins närrische Vergnügen, welches bei uns bereits am ersten Februarwochenende beginnt. Ein kräftiges Helau nach Bad Hersfeld.

ute.weilbach@stz-online.de

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