Von harten Bandagen und politischer Korrektheit

Kai A. Struthoff

Während der Landrats-Wahlkampf etwas an Fahrt gewinnt, nimmt Amtsinhaber Dr. Karl-Ernst Schmidt langsam Abschied: Er sei gar nicht froh darüber, dass nun bald Schluss ist, versicherte uns der Landrat beim traditionellen Journalisten-Essen. Er gedenke daher bis Ende August mit voller Kraft weiterzumachen. Natürlich glaubt Schmidt fest an den CDU-Kandidaten Dr. Michael Koch, eine Stichwahl wollte der Landrat dennoch nicht ausschließen. Kritisch wird daher jeder Schritt der SPD-Kandidatin Elke Künholz beargwöhnt, was dem Klima im Landratsamt nicht unbedingt zuträglich ist, wie man hört. Die Kandidaten bleiben derweil noch in der Deckung. Doch langsam müssen wohl die härteren Bandagen angelegt werden.

Als echte Erfolgsstory entpuppt sich – wenn auch von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – die DGUV-Akademie der Unfallversicherung auf dem Wehneberg, die jetzt ihr 20-jähriges Bestehen feierte. Das Seminar-Geschäft läuft gut, und die Akademie möchte am Seilerweg gern expandieren, wofür die örtliche Politik ihre Unterstützung zusagt. Ein wenig vergessen wurde bei den Feierlichkeiten, gegen welche Widerstände die Bildungseinrichtung einst nach Bad Hersfeld geholt wurde. Wesentlichen Anteil daran hatte der damalige 1. Stadtrat und heutige NBL-Chef Michael Bock, der mit geschickten Verhandlungen Mitbewerber ausbootete und auch die Widerstände der SPD, die ein „Verkehrschaos am Wehneberg fürchtete, brach. Beim Festakt in der Schilde-Halle war Bock nicht eingeladen. Manch’ gute Tat gerät über die Jahre in Vergessenheit, der Erfolg aber spricht heute noch für sich.

Zunehmend Erfolg hat auch der noch junge Freundschaftsverein „Friends of Malmesbury“, der mit dem Konzert der „Black Feathers“ jetzt einen weiteren Schritt auf dem Weg des deutsch-britischen (Kultur-)Austausch machen konnte. Selbst Bürgermeister Thomas Fehling, der dem Verein zunächst kritisch gegenüberstand, ist offenber inzwischen umgeschwenkt. Gemeinsam mit seiner Gattin wollte er sogar Ende Februar zum „Mayoral Ball“ reisen – dem piekfeinen gesellschaftlichen Ereignis schlechthin in Malmesbury. Doch die Freude darüber währte nur kurz: Der Bürgermeister hat kurzfristig wieder abgesagt – aus privaten Gründen, wie es heißt. Gewiss, so was kommt vor. Schade ist es aber doch, denn nun wird unsere Stadt wohl gar nicht in Malmesbury vertreten werden. Unsere neuen, rührigen Freunde dort hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Zuletzt noch ein offenes Wort an unseren lieben Feuermeister Klaus Otto und den geschätzten Kollegen Reinhard Rauche: Ihr Engagement für unser Lullusfest ist bewundernswert und vorbildlich. Aber Ihre Kritik an unserer Formulierung „Lolls-Schlägerei“ für die schwere Straftat vom vergangenen Jahr schießt über das wohlgemeinte Ziel hinaus. Denn natürlich hat die brutale Schlägerei am Markt zur Lullusfestzeit stattgefunden, und leider war der mutmaßliche Täter auch noch ein Schausteller. Allerdings wird keiner unserer Leser so dumm sein, deshalb ganz Lolls unter Generalverdacht zu stellen. Wir wissen, was wir an unserem fröhlichen und meist friedlichen Volksfest haben. Deshalb, liebe Lolls-Brüder, ist derartige übermäßige politische Korrektheit nicht nötig.

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