Jüdin Deborah Tal-Rüttger sprach am Obersberg über interreligiöse Beziehungen

Harmonisch miteinander

Beispiele aus eigener Erfahrung: Schüler Magnus Hemmenstädt und Religionslehrer Ulli Brand folgen den Ausführungen der Referentin Deborah Tal- Rüttger im Audimax der Modellschule. Foto: nh

Bad Hersfeld. Die jüdische Lehrerin Deborah Tal-Rüttger war kürzlich im Audimax der Modellschule Obersberg zu Besuch. Sie vermittelte den Schülern der Jahrgangsstufe 11 Eindrücke vom Glauben und Leben des Judentums.

Eingangs berichtete Magnus Hemmenstädt aus der Jahrgangsstufe 13 von dem Projekt „Trialog der Kulturen“, in dem sich Schüler mit den Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Judentum, Christentum und Islam auseinandersetzen.

Die Referentin von der liberalen jüdischen Gemeinde Hessens griff diese Anregungen auf und trug Beispiele aus ihrer eigenen Erfahrung zum Thema bei. Sie verband damit Geschichten aus ihrer Biographie. Deborah Tal- Rüttger wurde in Israel in einem Kibbuz (eine ländliche Siedlung in Israel mit gemeinsamem Eigentum) geboren und fand später ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, wo die jüdisch-christlich- deutschen Beziehungen ihr Hauptthema wurden.

Nachhaltig leben

Die Referentin wandte sich im Anschluss den ethischen Grundüberzeugungen des jüdischen Glaubens zu. Sowohl die Genesis als auch die jüdische Kabbala (bedeutet im Hebräischen „Überlieferung“) griffen auf Beispiele aus dem bäuerlichen Leben zurück: „Alle sieben Jahre soll der Ackerboden ruhen“ weise auf einen sorgsamen Umgang mit der Natur hin. In einem anderen Beispiel setzt sich ein Bauer für Nachhaltigkeit ein, wie die Referentin betonte. Der Bauer wird gefragt, warum er einen Johannesbrotbaum pflanze, der erst in siebzig Jahren Früchte tragen wird. Er antwortet: „Mein Vater setzte den Baum für mich, ich pflanze ihn für die, die nach mir kommen.“

Mensch hat Sonderstellung

Überhaupt sei im ersten Naturentwurf Gottes ein harmonisches Miteinander aller Teile des Lebens geplant gewesen, in dem Tiere ohne das Töten anderer Tiere auskamen. Die Genesis lasse hier etwas vom ursprünglichen Zusammenhang der verschiedenen Lebensformen erahnen. Der Mensch nehme allerdings nach jüdischem Verständnis eine Sonderstellung im Ganzen der Schöpfung ein. Er solle der „Mitarbeiter Gottes“ auf Erden sein und habe die Aufgabe, die „Scherben, die auf der Welt verteilt seien“, so zusammenzubauen und zu handeln, dass man in ihm das Ebenbild Gottes erkennen könne. Deborah Tal-Rüttger betonte, dass alle diese einfachen Geschichten aus Genesis der Kabbala vor dem „Gericht der Vernunft“ Bestand hätten und heute aktueller denn je seien. Im Anschluss an das Referat hatten die Schüler noch Gelegenheit, Fragen zu stellen, wobei besonders die Unterschiede zwischen orthodoxem und liberalem Judentum von Interesse waren. (red/fse)

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