Prozess um schwere Körperverletzung endete mit Versöhnung der Kontrahenten

Handschlag statt Urteil

bad hersfeld. Mit einem Handschlag beider Kontrahenten, anschließender Versöhnung und der Auflage, sich künftig aus dem Wege zu gehen, endete gestern im Bad Hersfelder Amtsgericht der Prozess um eine blutige Auseinandersetzung unter zwei arbeitslosen Männern aus Heringen.

Beide stammen aus demselben Dorf und kennen sich seit gut 30 Jahren, doch seit einiger Zeit reden sie nicht mehr miteinander. Angebliche Ursache nach Aussage des 40-jährigen Angeklagten: Einer seiner Bekannten habe die Ex-Frau des vermeintlichen Opfers „übernommen.“ Der 45 Jahre alte Nebenkläger nannte jedoch die Erwartung einer Falschaussage in einem anderen Gerichtsverfahren als Hintergrund für die Auseinandersetzungen, die einen früheren Freundeskreis in zwei Lager gespalten hat.

Wie dem auch wirklich war: Seit Monaten überzieht man sich gegenseitig aus nichtigem Anlass mit Strafanzeigen, man redet schlecht übereinander und beleidigt sich in Internet-Foren.

Am 14. Dezember 2008 soll es jedoch handfester zugegangen sein. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft tauchte der 40-Jährige gegen Mittag an der Wohnungstür des Älteren auf, verschaffte sich gegen dessen Willen Einlass und schlug grundlos mit einer etwa 40 Zentimeter langen Metallstange auf diesen ein. Der 45-Jährige ging nach mehreren Schlägen auf Stirn und Hinterkopf blutend und bewusstlos zu Boden.

„Aus der Luft gegriffen“ sei dieser Vorwurf, sagt der Angeklagte gestern vor Einzelrichter Elmar Schnelle, denn er habe die Nacht bei einem Bekannten verbracht, deswegen Ärger mit seiner Freundin gehabt und zur angeblichen Tatzeit „gut Wetter“ machen müssen.

Das angebliche Opfer berichtete dagegen von mehrstündiger Ohnmacht und zwei Platzwunden. Nur: Nachdem der 45-Jährige die Polizei angerufen hatte, verzichtete er auf einen Krankenwagen und ging auch nicht zum Hausarzt. Angeblich haben seine Eltern die Verletzungen gesehen. „Das macht es uns nicht einfacher“, sagte Richter Schnelle ob der dürftigen Beweislage.

Späte Anzeige

Zudem hatte das Opfer erst sechs Wochen nach dem Vorfall wegen einer Strafanzeige seinen Anwalt kontaktiert. Der sah dann auch nur noch eine Narbe auf der Stirn seines Mandanten. Ein Indiz, aber kaum ein Beweis.

Was also tun? Nachdem auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft ratlos mit den Schultern zuckte, entschied Richter Schnelle ganz pragmatisch und forderte zum versöhnlichen Händeschütteln auf. Widerspruch gab’s keinen, also konnte das Verfahren eingestellt werden.

Von Karl Schönholtz

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