Festspielporträt: Bastian Semm spielt Shakespeares „Hamlet“ für die Jugend

Hamlet trifft Johnny Cash

Lebendiger als du denkst: Bastian Semm liegt vor einem gekärcherten Totenkopf, der junge Menschen auf den „Hamlet“ aufmerksam machen soll. Foto: Shuhaiber

Bad Hersfeld. Sein oder nicht sein, das ist die Frage, die sich Bastian Semm derzeit häufig stellt. Der 31-Jährige spielt die Hauptrolle in Shakespeares Klassiker „Hamlet“. Es ist ein Ehre für jeden Schauspieler, den Hamlet spielen zu dürfen, sagt Semm. Die Kulisse der Stiftsruine mache das Ganze zu einem noch größeren Erlebnis. Jede Rolle möchte der Schauspieler nicht annehmen: „Ich fühle mich als Geschichtenerzähler“. Hamlets Monologe geben ihm die Möglichkeit dazu. Um Shakespeares Figur mit der nötigen Perfektion zu verkörpern, lernt er täglich seinen Text und nimmt Fechtunterricht bei Klaus Figge.

Obwohl Shakespeare seine Tragödie 1603 veröffentlichte, hat der Stoff auch mehr als 400 Jahre später nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Für Semm ist die Unentschlossenheit Hamlets Ausdruck dafür, wie zeitlos das Stück ist. Hamlet will den Tod seines Vaters rächen, hadert aber immer wieder mit sich: „Mach’ ich es jetzt oder mache ich es nicht“ diese Zerrissenheit verkörpert auch den Zeitgeist unserer Generation. Hamlet ist ebenso von Zweifeln geplagt, wie viele junge Menschen heute. „Eigentlich habe ich einen Auftrag, weiß aber nicht wie ich ihn ausführen soll, das macht mich wütend“, beschreibt Semm seine Rolle, die ein Anknüpfungspunkt für viele Jugendliche ist.

An einer Sache aber zweifelt Bastian Semm nicht. Er hat seine Berufung zum Beruf gemacht. Die Schauspielerei ist genau sein Ding. Das wurde ihm aber erst im Alter von 15 Jahren klar. Als Kind wollte er Stuntman werden. Nach einem Reitunfall hatte sich dieser Wunsch aber schnell in Luft aufgelöst.

Theater in der Schule

Schon während der Schulzeit spielte Semm in der Theater-AG. Damals machte er erste Gehversuche als Regisseur für eine Inszenierung des Musicals Starlight Express. „Ich konnte mich nicht für eine Figur entscheiden, also spielte ich beide Hauptrollen“, erzählt er lachend.

Ein Engagement als Statist am Theater in Bochum ebnete ihm den Weg auf die große Theaterbühne. In dieser Zeit mimte er auch mal einen „metamorphierenden Baum“ oder lief als Hühnerkäfig mit Beinen über die Bühne.

Vor dem Studium an einer Schauspielschule hatte er immer großen Respekt. Sieben Anläufe benötigte er, bis er in Leipzig angenommen wurde. Hier lernte Semm auch das Fechten, eine Fertigkeit, auf die er jetzt für den Hamlet zurückgreifen kann.

Neben seinem Engagement in Bad Hersfeld spielt er in Heidelberg. Dort hütet er auch sein „Baby“, einen wöchentlich stattfindenden Johnny Cash-Abend. Hier kann er gemeinsam mit Gleichgesinnten die Songs seines großen Helden singen und Gitarre spielen. Nach der Festspielsaison will Semm nach Nashville in die USA reisen: „Ich möchte auf den Spuren von Johnny Cash wandeln“.

Von Alia Shuhaiber

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