Jutta Hendler ist die interne Frauenbeauftragte der Kreisstadt Bad Hersfeld

Haltung hilft im Leben

Trägt Verantwortung für andere: Jutta Hendler sorgt als Frauenbeauftragte dafür, dass die weiblichen Beschäftigten der Stadt keine Benachteiligung erfahren. Foto: Backovic

Bad Hersfeld. Im obersten Stockwerk des Rathauses ist das Büro der internen Frauenbeauftragten der Stadt Bad Hersfeld, Jutta Hendler. Zimmer 35 ist recht klein. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch, der fast ein Drittel des Raumes einnimmt. Die Regale sind mit Aktenordnern gefüllt. Am Fenster stapeln sich Broschüren – trotzdem wirkt alles sehr ordentlich. „Eine Frauenbeauftragte ist so stark wie die Verwaltung, die hinter ihr steht“, sagt sie selbstbewusst und schiebt die Notizen auf dem Tisch beiseite. Seit 2007 kümmert sie sich darum, dass die Frauen, die die Stadt beschäftigt, nicht benachteiligt werden.

Die 46-jährige, zierliche Frau ist attraktiv: langes, blondes Haar, roter Lippenstift und leuchtend blaue Augen. Fast keine Falte ist erkennbar. Auch wenn sie nicht so aussieht, Hendler kann richtig fest zuschlagen. Viele Jahre praktizierte sie den Kampfsport Taekwondo. Das ist ein Grund dafür, dass sie auch heute noch Selbstbehauptungskurse für Mädchen und Frauen gibt. Trainiert werden Körpersprache, Abwehrübungen und der Umgang mit der Stimme. „Selbst mit einem Kugelschreiber kann sich eine Frau im Ernstfall wehren“, sagt sie.

Besonders wichtig ist für Hendler die Körperhaltung. In jeder Lebenssituation: „Wer eine starke Haltung ausstrahlt, wird nicht schnell zum Opfer – das gilt zum Beispiel auch für den Beruf.“

Trotz ihrer Aufgaben im Rathaus engagiert sich Hendler gern für die Jugend: Einmal pro Woche betreut sie ein Projekt mit Jugendlichen in der Dippelmühle. Zudem hat sie eine Nebentätigkeit in der Familienhilfe der Diakonie. Als Gesundheitsförderin besucht sie außerdem einmal im Jahr Grundschulen. Hendler sieht sich eben nicht als typischen „Verwaltungsmenschen“.

In ihrer Freizeit ist sie Aerobic-Trainerin – denn sie liebt Bewegung. Und Abwechslung: „Aktuell will ich Klavierspielen lernen“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Im Februar 2009 nahm die alleinerziehende Mutter von zwei Teenagern die halbe Stelle offiziell an. Bis 2007 war sie ausschließlich im Bad Hersfelder Jugendhaus tätig. Im Mai desselben Jahres wurde sie seitens der Stadt gefragt, ob sie den Posten der internen Frauenbeauftragten übernehmen wolle. Hendler willigte ein. Weil die Zeit nicht für die Jugendarbeit und die neue Aufgabe reichte, konzentrierte sie sich ab 2009 nur noch darauf, Frauenbeauftragte zu sein.

Der Abschied von der Jugendarbeit fiel ihr nicht ganz leicht: 19 Jahre arbeitete sie im Jugendhaus. Hendler stammt aus Fulda, dort machte sie Abitur und studierte Sozialarbeit. Als sie 1989 das Studium beendete, machte sie bei der Fuldaer Bewährungshilfe, deren Außenstelle damals in Bad Hersfeld war, ihr Anerkennungsjahr. 1990 fing sie im Jugendhaus an. Ihre jetzige Aufgabe empfindet Hendler als sehr wichtig: „Gleichberechtigung ist gesetzlich zwar da, die Realität sieht aber anders aus. Beispielsweise verdienen Frauen auch heute noch weniger Geld als Männer.“

Hintergrund

Von Dorothea Backovic

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