Kripo sucht nach Haupttätern des Banküberfalls von Hönebach

Haftstrafen für die Komplizen

Fulda Die beiden Angeklagten blickten starr geradeaus und verzogen keine Miene, als das Gericht seine Urteile sprach: Wegen Beihilfe zu dem Banküberfall im April 2009 in Wildeck-Hönebach muss ein 50-Jähriger aus Bad Hersfeld für vier Jahre, sein 39 Jahre alter Schwager für drei Jahre in Haft.

Drogensucht

Damit entsprach das Gericht nach zehn Verhandlungstagen und dem Hören von 29 Zeugen exakt den Strafanträgen von Staatsanwalt Harry Wilke. Philipp Götze, Verteidiger des älteren Angeklagten, hatte auf einen Strafantrag verzichtet, Anwalt Hans J. Hauschild hatte für seinen Mandanten zwei Jahre und sechs Monate beantragt. „Vier Jahre wären angemessen“, sagte der 50-Jährige in seinem letzten Wort vor dem Urteil. Er und sein Schwager machten ihre Drogensucht für die Tat verantwortlich.

23 Vorverurteilungen

Ein Lächeln huschte den Beteiligten übers Gesicht, als der Vorsitzende Richter Peter Krisch die Vorstrafen der Angeklagten ansprach. Während des Verfahrens war ein weiteres Urteil gegen den Jüngeren bekannt geworden. „Damit hat dieser ausgeglichen. Beide kommen jetzt auf 23 Vorverurteilungen.“

Bitte um Mithilfe

Bei der Annahme des Tathergangs waren sich Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung einig. Zwei bislang unbekannte Täter sprachen den älteren Angeklagten, der einschlägige Erfahrungen besaß, an und baten ihn um Mithilfe bei einem Bankraub. Der 50-Jährige, der auf das Knacken von Opel Kadett spezialisiert war, sollte den Fluchtwagen stehlen. Zudem sollte er nach dem Überfall mit dem Wagen seiner Partnerin – einem seriösen Mercedes der C-Klasse – acht Kilometer vom Tatort entfernt in Wildeck-Obersuhl auf dem von außen nicht einsehbaren Parkplatz einer Gaststätte warten und die eigentlichen Bankräuber dann aus der Gefahrenzone bringen.

Erster Versuch scheiterte

Der Plan ging auf – mit zwei kleinen Aussetzern. Der erste Versuch, einen Opel aufzubrechen, scheiterte in der Nacht zu Montag, 27. April. Gegen 9 Uhr am selben Tag gelang es den beiden Angeklagten dann, im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft einen Opel aufzubrechen und kurzzuschließen. Die eigentlichen, noch unbekannten Bankräuber, nach denen die Kripo jetzt fahndet, fuhren dann am Montagnachmittag zur Filiale der Raiffeisenbank in Wildeck-Hönebach – die hatte allerdings ausgerechnet an diesem Wochentag nachmittags geschlossen.

Tipp von Vertrauensmann

Den ersten Tipp, dass die beiden Schwager mit dem Überfall etwas zu tun hatten, bekam die Bad Hersfelder Kriminalpolizei von einem Vertrauensmann. Entscheidend für die Haftbefehle gegen sie war, dass man DNA-Spuren von ihnen im Auto gefunden hatte. Alle Beschreibungen der Täter in der Bank durch Zeugen passten nicht auf sie.

Richter Krisch sagte, die Persönlichkeit und die kriminelle Erfahrung des 50-jährigen Angeklagten spreche dafür, dass dieser der Kopf der Tätergruppe gewesen sei. Nachweisen lasse sich allerdings nur die Mittäterschaft.

Sicherheitsverwahrung droht

Die erbeutete Summe von 32 000 Euro ist verschwunden geblieben. Krisch machte deutlich, dass die Angeklagten im Falle einer weiteren Verurteilung mit einer zeitlich unbegrenzten Sicherungsverwahrung rechnen müssten.

Von Volker Nies

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