Eklat im Gerichtssaal: Bußgeldverfahren gegen Hundehalter endete im Tumult

Haft für Nazi-Vergleich

Bad Hersfeld. Mit einem handfesten Eklat endete gestern das Gerichtsverfahren gegen einen 64 Jahre alten Landwirt aus Motzfeld, der wegen eines Verstoßes gegen die Hundeverordnung mit einem Bußgeld von 150 Euro belegt worden war: Während der Urteilsverkündung postierte sich der alte Herr in bedrohlicher Haltung vor Richter Elmar Schnelle, schrie dazwischen und stellte ihn „zwischen Freisler und Dorfrichter Adam.“ Zuvor hatte Schnelle dem ausufernd plädierenden Landwirt nach mehrmaliger Ermahnung das Rederecht entzogen.

Für den Vergleich mit Nazi-Richter Roland Freisler verhängte Richter Schnelle umgehend vier Tage Ordnungshaft. Das hatte weitere Ausbrüche und Beschimpfungen des hochgradig erregten Motzfelders zur Folge, die allesamt getreulich im Protokoll festgehalten wurden.

Als der 64-Jährige dann mit den Worten „Ich muss raus hier, ich kann mit dem Idioten nicht in einem Raum bleiben“ den Saal verlassen wollte, musste er von den Justizwachtmeistern, einer zwischenzeitlich angeforderten Polizeistreife und um Deeskalation bemühten Begleitern unter teilweise tumultuösen Umständen daran gehindert werden.

Heftige Proteste

Erst nachdem den Formalien Genüge getan war, wurde der heftig protestierende Landwirt erst in die Gewahrsamszelle des Amtsgerichts und dann in die Justizvollzugsanstalt nach Fulda gebracht.

Auch die Beweisaufnahme zuvor war ähnlich turbulent verlaufen wie der erste Verhandlungstermin am 17. Dezember. Auf der einen Seite der Schafhalter, der beharrlich bestritt, einer seiner als Hütehunde eingesetzten Border Collies sei trotz mehrerer Vorfälle ein „gefährlicher Hund“ im Sinne des Gesetzes.

Auf der anderen Seite zwei Zeugen, die davon wussten, dass der Motzfelder den betreffenden Hund einfach umgetauft hatte, um ihn vor der Einziehung zu bewahren. Der angebliche Verkauf oder die Abgabe des Tieres an einen unbekannten neuen Halter hatte demnach nie stattgefunden.

Weil sich der streitbare ältere Herr bis zuletzt weigerte, die erforderlichen Angaben zum Verbleib des Tieres zu machen, hatte die Gemeinde Friedewald ein Bußgeld verhängt. Durch den Einspruch des Landwirts war es dann zur Gerichtsverhandlung gekommen.

Bürgermeister beschimpft

Im Dschungel von aktendickem Schriftverkehr aus Briefen, Gesetzestexten, Verordnungen und Kommentaren verstrickte sich der Landwirt hoffnungslos, hatte aber im Friedewalder Bürgermeister und vermeintlich böswilligen Nachbarn die wahren Schuldigen ausgemacht: Den Rathauschef titulierte er als „Lügner“ und „Gesetzesbrecher“, der Dorfgemeinschaft unterstellte er ein „Kesseltreiben gegen Zugezogene“.

Und weil Richter Schnelle seiner Argumentation nicht folgen wollte (oder konnte), hatte der unverstandene Landwirt in ihm den nächsten Widersacher ausgemacht.

Von Karl Schönholtz

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