Gemeinsame Aktion von Apotheken, Frauenbüros und Land

Häusliche Gewalt: 204 Frauen sind Opfer

Hersfeld-Rotenburg. Mehr als 7600 Frauen sind in Hessen im vergangenen Jahr Opfer von häuslicher Gewalt geworden. 204 Fälle waren es allein im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Doch die Dunkelziffer ist hoch. Häusliche Gewalt, so weiß Polizeisprecher Manfred Knoch, findet immer noch zum großen Teil im Verborgenen statt.

Die Hessischen Frauenbüros haben es sich deshalb zu einer ihrer Aufgaben gemacht, immer wieder auf das Gewaltproblem in den Familien hinzuweisen. In diesem Jahr starten sie, gemeinsam mit dem Sozialministerium und dem Hessischen Apothekerverband, die Aktion „Rote Karte gegen häusliche Gewalt“. In den kommenden Wochen werden in den Apotheken leuchtend rote Informationsblätter mit einem deutlichen Stopp-Zeichen verteilt, die sowohl Betroffene als auch Zeugen ganz allgemein über Hilfemöglichkeiten informieren. So werden Opfer zum Beispiel auf das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der Telefonnummer 08000/116 016 aufmerksam gemacht. Neben dem roten gibt es auch noch einen gelben Zettel mit ausführlicheren Informationen und den Telefonnummern der Ansprechpartner vor Ort.

Apotheken, so erläuterte die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, sind Orte, wo viele Menschen hinkommen. Sie seien deshalb gut geeignet, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Informationen zu verteilen.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben sich die polizeibekannten Fälle von häuslicher Gewalt, die sich überwiegend gegen Frauen und Kinder richtet, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Die Polizei geht jedoch davon aus, dass sich das Gewaltproblem nicht verstärkt hat, sondern dass mehr geschlagene und gedemütigte Frauen sich trauen, zur Polizei zu gehen. Ins Frauenhaus Bad Hersfeld flüchten sich pro Jahr etwa 50 Frauen.

Zum Tage, 2. Seite

Von Christine Zacharias

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