Über seine Rolle in Verdis Requiem bei den Bad Hersfelder Festspielen

Ben Becker im Interview: „Hätten Sie mich lieber bei RTL 2?“

Spricht Klartext: Der Schauspieler Ben Becker liest in der Festspielaufführung von Verdis Requiem die begleitenden Texte. Das Stück wird Anfang August zweimal gespielt. Foto: dpa

Bad Hersfeld. Ein paar Wochen ist es her, dass Ben Becker bei einem Vortrag in Homberg in Tränen ausbrach. Ergriffen von den Worten der „Verteidigungsrede des Judas Ischariot“, die der Schauspieler dort vortrug. Biblische Texte wird der 51-Jährige bald auch in Bad Hersfeld lesen. Bei den Aufführungen von Verdis Requiem am Samstag, 6., und Montag, 8. August, trägt Becker die begleitenden Texte vor. Über sein Engagement bei den Festspielen haben wir mit ihm gesprochen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit im Vorfeld? 

Becker: Dieter Wedel und ich sind in einem gemeinsamen Diskurs, auszusuchen, wie ich mich einbringe und was ich lese. Das macht mir Spaß. Mit dem Sinfonie-Orchester und einem Chor aus 120 Männern und Frauen zusammenzuarbeiten, das ist auch für mich eine Premiere.

Ihre Beteiligung wurde vergleichsweise kurzfristig bekanntgegeben. Mussten Sie überredet werden?

Becker: Nö. Als die Anfrage kam, habe ich sofort zugesagt.

Verraten Sie uns, welche Texte Sie lesen? 

Becker: Das Requiem ist ein Abgesang, daher beschäftige ich mich mal wieder mit biblischen Texten. Ich gehe aber zum ersten Mal die Offenbarung an. Die habe ich schon lange auf der Agenda und möchte sie auch irgendwann mal als Regisseur auf die Bühne stellen. Das ist jetzt ein Heranwagen. Zu einem Abgesang, einem Sterben gehört aber immer auch die Geburt.

Man kennt Sie als sehr emotionalen Redner. Wieviel Schauspiel steckt da drin? 

Becker: Ich bin Schauspieler, der Rest bleibt mein Geheimnis.

Sie weinen mitunter beim Vortrag. 

Becker: Gerade der Judas-Text zuletzt ist ein ganz großer, existenzieller Text und der nimmt mich natürlich mit. Wenn ich mich so vermitteln darf und kann, dass eine ganze Kirche aufsteht und sich für diesen Text bedankt, dann bin ich darüber sehr glücklich. Oder hätten Sie mich lieber bei RTL 2 oder bei Alarm für Cobra 11, wo ich von einem BMW überfahren werde?

An wen richtet sich das Stück? 

Becker: Ein Abgesang geht uns alle an.

Kann ein so schweres Thema dem Zuschauer überhaupt Vergnügen bereiten? 

Becker: Ich mag das Wort Vergnügen nicht. Oder Spaß. Das finde ich doof. Ich wünsche Leuten, die ins Theater gehen, immer viel Freude. Freude beinhaltet auch etwas Trauer. Ich denke, unsere Aufführung wird sich wohlig anfühlen. Die Leute sollen traurig sein, sich freuen und das Leben lieben.

Biblische Texte begleiten Sie seit Jahren. Wollen Sie bekehren? 

Becker: Dann wäre ich Pfarrer geworden. Ich bin aber Schauspieler und möchte den Leuten Geschichten erzählen. Geschichten, die sie nachdenklich stimmen und begleiten. Die christliche Lehre ist eine sehr existenzielle. Sie hat viel zu tun mit der Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Deswegen setze ich mich gerne damit auseinander. Ich finde das spannend, weil sie so nah an der Wahrheit ist, am realen Leben. Im Gegensatz zum Einkaufscenter, auf das ich gerade gucke.

Warum stört das Sie? 

Becker: Schauen Sie, wir machen große Coca-Cola-Reklame, um die Wirtschaft anzukurbeln und woanders sterben täglich hunderttausende Kinder. Das kann doch so nicht stimmen. Das stelle ich in Frage. Und weil ich so etwas in Frage stelle, bin ich auf die christliche Lehre gestoßen und auf die Worte, die Jesus Christus uns vermitteln will.

So haben Sie zum Glauben gefunden?

Becker: Ich würde nicht behaupten, dass ich im christlichen Sinne gläubig bin, aber ich habe eine gut ausgestattete Bibliothek und irgendwann hab ich gedacht: Da oben steht ein Buch, da haste noch nie reingeguckt, mach mal auf das Ding. Und das war die Bibel.

Stimmt es, dass Sie erst am Tag vor der Aufführung anreisen? 

Becker: Nein, ich bin in jedem Fall schon bei der Generalprobe anwesend.

Mehr Proben sind nicht nötig? 

Becker: Die Texte probe ich für mich. Ich weiß auch welche Musik gespielt wird. Mit so einem großen Chor ist es auch gar nicht möglich, mehrere Tage am Stück alles zu proben. Wie ist eigentlich das Wetter in Bad Hersfeld? Ach egal, wenn ich komme, geht eh die Sonne auf.

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