Silvesterkonzert in der Stadtkirche als Tribut an ein großes Geburtstagskind

Händel-Hits zum Finale

Die Sopranistin Marietta Zumbült trug entscheidend dazu bei, dass das Silvesterkonzert in der Stadtkirche zu einem angemessenen „Finale“ wurde.

Bad Hersfeld. Mit einem Tribut an Georg Friedrich Händel, eines der musikalischen „Geburtstagskinder“ des Jahres 2009, wurde das Jahr beim „Finale“ in der Stadtkirche verabschiedet. Wem bei der Verbindung Silvester und Händel automatisch die berühmte Feuerwerksmusik in den Sinn kam, wurde an diesem Altjahrsabend enttäuscht, allerdings auf sehr angenehme Art.

Stadtkirchenkantor Johannes Kleinjung und seine musikalischen Partner hatten sich für Arien und Ouvertüren aus Opern und Oratorien des großen Barockkomponisten entschieden und zogen damit ihr Publikum in der gut besetzten und durch Kerzen stimmungsvoll beleuchteten Stadtkirche in ihren Bann.

Mehr als nur Ersatz

Wegen einer kurzfristigen Erkrankung musste allerdings die Sopranistin Katja Stuber auf ihren Auftritt verzichten. Als mehr als nur ein Ersatz entpuppte sich letzten Endes die Sängerin Marietta Zumbült aus Weimar, die spontan eingesprungen war. Sie sang die Arien – unter ihnen echte „Händel-Schlager“ wie „Ombra mai fu“ aus der Oper Xerxes, „O had I Jubal’s lyre“ aus Joshua und „Rejoice, Rejoice“ aus dem Oratorium Messias – mit lockerer, sehr elegant und geschmackssicher geführter Stimme, die sich sowohl in hohen wie tiefen Lagen durch einen ausgesprochen brillanten Klang ohne jede Schärfe auszeichnete. Dabei gelang es ihr ausgezeichnet die Stimmung der jeweiligen Arien klanglich zu transportieren: Das jubilierende „Rejoice, Rejoice“ vermittelte zu Beginn echte Freude über das weihnachtliche Geschehen, während am Ende mit „Lascia ch’io pianga“ die schmerzvolle Klage über Verbannung und Unfreiheit stand. All diese Stimmungen mit ihren vielen virtuosen Zwischentönen meisterte Zumbült souverän und mit dem gewissen Quäntchen Unaufgeregtheit, das selbst die virtuosen barocken Verzierungen kunstvoll schlicht klingen ließ.

Dazu trugen entscheidend die hervorragend aufeinander eingespielten Instrumentalisten vom Collegium Musicum aus München bei. Katharina Kleinjung, Anne Erdmann (Violine), Hannes Lindhuber (Viola), Felix Stross (Violoncello), Hans Dieter Koch (Kontrabass), Sebastian Adelhardt (Orgel) und Johannes Kleinjung (Cembalo) produzierten einen transparenten und flexibel anmutenden Ensembleklang, der besonders in den Ouvertüren und Tanzsätzen brillierte. Sehr deutlich wurde dabei der tänzerische Ursprung der sehr festlich klingenden Händelschen Musik.

Die Musiker stellten einmal mehr unter Beweis, dass sich in den letzten Jahren eine Streicher- und Kammermusikkultur in der Stadtkirche etabliert hat, bei der eine kontinuierlich positive Entwicklung zu konstatieren ist. So erwies sich dieses musikalische Feuerwerk – auch ohne Feuerwerksmusik – als krönender musikalischer Jahresabschluss gewürzt mit zahlreichen Händelschen Ohrwürmern, die noch lange nachklangen.

Von Ute Janssen

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