Brutale Auseinandersetzung vor Bebraer Diskothek: Zwei gegensätzliche Versionen

„Habe volle Pulle zugeschlagen“

Bad Hersfeld. Der eine Angeklagte war geständig. Ja, er war am Morgen des 21. Mai 2009 an der Auseinandersetzung vor der Bebraer Disco „Hyppo“ beteiligt, ja, er habe sich mit einem Samuraischwert bewaffnet – angeblich nur eine Atrappe – , und ja, „ich habe volle Pulle zugeschlagen, nicht nur so halbherzig,“ sagte der 21 Jahre alte Marokkaner aus Kassel, „aber nur, um mich zu wehren.“

Und das war der Knackpunkt in dem Körperverletzungs-Verfahren vor dem Bad Hersfelder Jugendschöffengericht: Denn wer sich hier gegen wen gewehrt und wer wen angegriffen hat, das war am ersten Verhandlungstag mit dem vorhandenen Zeugen nicht zweifelsfrei zu klären.

Keine Erklärung

Laut der Anklageschrift von Staatsanwalt Dominik Dute hatte sich das Geschehen nämlich genau andersherum abgespielt. Der Marokkaner, ein 23-jähriger Serbe und drei weitere junge Männer sollen demnach vor dem Discoeingang aus einem silbernen VW Golf ausgestiegen und ebenso plötzlich wie grundlos mit Baseballschlägern, Knüppeln und besagtem Schwert über einen 22 Jahre alten Logistik-Arbeiter aus Bad Hersfeld hergefallen sein.

Eine Erklärung für die brutale Attacke gab es nicht. Zwar war der Hersfelder einige Stunden zuvor in der Disco in eine kleine Rempelei verwickelt gewesen, doch als Anlass für ein solches Nachspiel taugte diese wohl kaum.

Der Geschädigte, der beim Angriff des Quintetts die Worte „Dich packen wir jetzt“ gehört haben will, identifizierte insbesondere den Serben als einen der fünf Widersacher.

Der aber will sich zur Tatzeit bereits auf dem Heimweg nach Kassel befunden haben – in Begleitung seines Bruders und zweier Bekannten. Diese bestätigten die Angaben des 23-Jährigen gestern auch vor Gericht.

Überhaupt waren vermeintliche Täter und Opfer nicht miteinander bekannt. Die Polizei kam den jungen Leuten aus Kassel denn auch erst auf die Spur, als die Party-Bilder auf der Internet-Seite der Disco ausgewertet wurden. Hier hatten sich etliche Gäste fotografieren lassen, darunter die späteren Angeklagten.

Den Serben erkannt

Zeugen für die Tatversion des Geschädigten waren zu dieser späten beziehungsweise frühen Stunde Mangelware. Zwar schloss die Disco in diesen Minuten ihre Pforten, doch die meisten noch verbliebenen Gäste waren noch mit dem Bezahlen beschäftigt, als draußen die Post abging. So bestätigten nur zwei junge Männer die Angaben des Hersfelders und waren sich ebenfalls sicher, den Serben unter den Schlägern erkannt zu haben.

Der Marokkaner wiederum wartete mit einer mindestens ebenso mysteriösen Geschichte auf. Demnach seien er und seine Begleiter bei der Abfahrt vom Disco-Parkplatz zunächst faslch abgebogen, hätten in einigen hundert Metern Entfernung den Verkehrsunfall eines betrunkenen Autofahrers mitbekommen und seien dann umgekehrt.

Beim erneuten Passieren des Disco-Geländes hätte der Fahrer des silbernen Golf einem Bekannten etwa zurufen wollen, als urplötzlich ein Stein die hintere Seitenscheibe durchschlug. Als weitere Steine auf das Fahrzeug prasselten und sich die Angreifer dem Fahrzeug näherten, habe man sich mit dem im Kofferraum deponierten Schwert und mehreren Kegeln bewaffnet, um sich zur Wehr setzen zu können. Der Pkw sei nach der Attacke ganz zerbeult gewesen.

Weitere Zeugen

Bei der Fortsetzung des Prozesses am 7. Februar sollen nun weitere Zeugen gehört werden, die angeblich die Tatversion des Angeklagten bestätigen können. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 13.30 Uhr.

Von Karl Schönholtz

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