Montagsinterview mit dem lieben guten Weihnachtsmann, der gar nicht so streng ist

Ich habe gar keine Rute

Ein Weihnachtsmann zum Anfassen: Luca Aurelio Sohn (4), die Zwillinge Michelle Melissa und Celina Chantal (8) und Tom Jacob (11) haben keine Angst vorm Weihnachtsmann. Hinter dem weißen Bart verbirgt sich Manfred Lück. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Es ist gar nicht so leicht in diesen hektischen Tagen, den Weihnachtsmann zum Interview zu erwischen. Kai A. Struthoff hat ihn aber dann doch in der City-Galerie getroffen.

Hallo, lieber Herr Weihnachtsmann. Danke, dass Sie sich die Zeit zum Gespräch nehmen, denn Sie sind doch bestimmt im Stress?

Weihnachtsmann: Das können Sie laut sagen. Tagaus, tagein, wir haben jede Menge zu tun und sind so kurz vorm Fest ganz ordentlich im Stress.

Lieber guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an – können die Kinder von heute eigentlich noch Gedichte?

Weihnachtsmann: Hin und wieder ja. Die Kleinen übrigens können das noch eher als die Großen. Die sagen meist, wir haben in der Schule keine Gedichte gelernt – aber wahrscheinlich ist es ihnen nur peinlich.

Welches ist denn Ihr Lieblings-Weihnachtsgedicht?

Weihnachtsmann: (denkt nach) Es weihnachtet sehr...

Sie meinen: Von drauß’ vom Walde komm’ ich her?

Weihnachtsmann: Hoch auf den Tannenspitzen...

All überall auf den Tannenspitzen – Herr Weihnachtsmann, Sie sind aber nicht ganz textsicher?

Weihnachtsmann: (lacht): Ich muss ja auch keine Gedichte aufsagen!

Wie finden Sie es eigentlich, dass viele Eltern den Kindern mit Ihnen drohen und sagen: Wenn du nicht brav bist, sage ich das dem Weihnachtsmann. Sie sind doch eigentlich ein ganz lieber, netter Kerl.

Weihnachtsmann: Genauso ist es. Ich mag es auch gar nicht, der böse Buhmann zu sein. Aber ich habe das auch gar nicht so oft gehört. Die meisten Kinder, die zu mir kommen, sind ohnehin ganz brav und artig.

Haben Sie denn trotzdem schon mal jemand mit der Rute gedroht?

Weihnachtsmann: Niemals. Ich mache das jetzt hier seit 14 Jahren in der City-Galerie, und ich habe noch niemandem die Rute gezeigt. Ich habe ja auch gar keine Rute.

Und wie ist es mit den Eltern?

Weihnachtsmann: Tja, die bräuchten vielleicht schon eher mal einen Wink mit der Rute. Sie müssten nämlich mit ihren Kindern mehr lernen: Weihnachtslieder und Gedichte. Und ihnen erklären, was Weihnachten überhaupt für einen Sinn hat. Das wissen viele Kinder nämlich gar nicht.

Was ist denn der Sinn von Weihnachten?

Weihnachtsmann: Besinnlichkeit, Familie, Beisammensein.

Und dann sitzen Sie ausgerechnet im Einkaufszentrum, wo es doch wenig besinnlich, sondern eher hektisch zugeht?

Weihnachtsmann: Deshalb bin ich hier, eben um die Kinder an den Sinn von Weihnachten zu erinnern und ihnen eine kleine Freude zu machen. Deshalb verschenke ich auch gern Süßigkeiten.

Was erzählen Ihnen die Kinder denn so?

Weihnachtsmann: Die fragen, ob ich Heiligabend auch zu ihnen komme, und sie geben mir ihre Wunschzettel. Die Mädchen wollen meist Puppen und Puppenküchen und die Jungs alles, was mit Technik zu tun hat.

Haben sich die Wünsche der Kinder in den 14 Jahren, die Sie jetzt hier arbeiten, geändert?

Weihnachtsmann: Das kann man wohl sagen. Die Wünsche sind vor allem immer größer geworden. Heute wollen schon die Zehnjährigen teure Handys oder Spielekonsolen haben.

Was wünscht sich eigentlich der Weihnachtsmann selbst zum Fest?

Weihnachtsmann: Gesundheit, Frieden, und ich möchte gern in Ruhe mit meiner Familie feiern, denn meine Kinder kommen zu Besuch.

Ach, da lüften Sie jetzt aber ein Geheimnis. Denn viele fragen sich ja, ob der Weihnachtsmann überhaupt eine Weihnachtsfrau hat?

Weihnachtsmann: Natürlich hat der Weihnachtsmann auch eine Familie. Meine Kinder sind zwar alle schon groß. Aber Heiligabend kommen sie und meine Enkel uns besuchen – und dann bin ich nur für meine Familie da.

Und wenn das Fest vorbei ist, werden Sie dann arbeitslos?

Weihnachtsmann: Nein, dann fängt der normale Lauf des Lebens an. Ich gehe zum Beispiel gern mit meiner Frau im Schnee spazieren.

Kommentare