Pilotprojekt der AOK zur mobile Pflegeberatung – Experten stellen Versorgungsplan auf

Guter Rat kommt nach Hause

Gert Schade aus Heringen war beim Pilotprojekt dabei. Foto: phi

Bad Hersfeld. Ein unglücklicher Sturz, eine schwere Krankheit – manchmal wird ein bislang noch völlig selbständiger Mensch ganz überraschend zum Pflegefall. Dann ist guter Rat gefragt. Die AOK bietet deshalb jetzt als einzige Krankenkasse in Hessen flächendeckend eine mobile Pflegeberatung an.

Der Versicherungsfachwirt Gert Schade aus Heringen spielt dabei eine ganz besondere Vorreiterrolle, denn er war schon bei dem Pilotlauf mit 26 Mitarbeitern dabei. „Hausbesuche zur Pflegeberatung sind eine völlig neue Sache“, erklärt der 50-Jährige. Dabei ist es sinnvoll, sich daheim bei dem Pflegebedürftigen ein Bild von den häuslichen Gegebenheiten zu machen.

So begutachtet Schade bei diesen Terminen beispielsweise Treppen oder Badezimmer auf ihre Eignung zur Pflege in den eigenen vier Wänden. „Unser oberstes Ziel ist es, dass die Pflegebedürftigen weiter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und nicht in ein Heim müssen“, sagt Schade.

Deshalb gehören zum mobilen Beratungsteam nicht nur Versicherungsfachleute, sondern auch Sozialarbeiter und Pflegepersonal. Nur so könne der tatsächliche Pflegebedarf umfassend ermittelt werden. Dann wird ein Versorgungsplan aufgestellt, der verbindliche Vereinbarungen zur Betreuung aufstellt. Außerdem gibt es auch später Besuche, um die Arbeit zu überprüfen und den sozialen Kontakt zum Versicherten zu pflegen.

Anwalt der Versicherten

„Wir verstehen uns als Anwalt des Versicherten und haben eine Mittlerfunktion bei der Abstimmung zwischen allen Leistungsträgern.“ Hilfreich bei der Arbeit sei die feste regionale Verankerung der mobilen Beraterteams. „Wir kennen die Strukturen der örtlichen Heime, Ärzte und Pflegedienste und können dadurch leichter Hilfsnetzwerke aufbauen.“

Ingesamt betreut die AOK in Hessen rund 85 000 Pflegebedürftige Menschen in allen Pflegestufen. Die überwiegende Zahl von ihnen, nämlich über 62 000, werden daheim betreut, knapp 19 000 sind in Pflegeheimen untergebracht. Ein Trend, der sich auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg bestätigt. „Hier gibt es keinen Ansturm auf die Pflegeheime, weil im ländlichen Raum die familiären Strukturen oft noch intakt sind.“

Insgesamt betreut die AOK nach eigenen Angaben ungefähr 60 Prozent aller Pflegebedürftigen in Hessen, weshalb die mobile Pflegeberatung auch vom Sozialministerium mit Interesse verfolgt wird. „Wir spielen dabei so eine Art Pionierrolle“, sagt Schade, zumal es vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer mehr Pflegebedürftige geben wird. So hat sich seit 1995 die Zahl der pflegebedürftigen Versicherten allein bei der AOK mehr als verdoppelt.

Natürlich hat das Projekt auch finanzielle Hintergründe. „Das Kostenrisiko sinkt, wenn die Menschen ordentlich versorgt sind“, erklärt Schade und weist darauf hin, dass die häusliche Pflege auch für Angehörige finanzielle Anreize bietet.

Von Kai A. Struthoff

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