Jugendschöffengericht verurteilt Autodieb zu Freiheitsstrafe auf Bewährung

Gute Zeugen, schlechte Zeugen

bad hersfeld. Die Beweiswürdigung, die Beantwortung der Frage, wem inwieweit zu glauben ist, ist die vornehmste und oft auch schwierigste Aufgabe eines jeden Gerichts. Denn wenn es widersprüchliche Angaben gibt, muss Justitia wie im Sinnbild abwägen und dann entscheiden, ob sich auf die vorhandenen Beweise ein Urteil stützen lässt oder ob freigesprochen werden muss.

In diesem Konflikt sah sich auch das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld im Falle eines vermeintlichen Autodiebs. Der Angeklagte, ein 26 Jahre alter Schlosser aus Bebra, bestritt nämlich, im Mai und Juli 2007 in Bad Hersfeld und Fulda gemeinsam mit einem Komplizen zwei Pkw gestohlen zu haben.

Im ersten Fall war der Hauptbelastungszeuge, der noch bei der Polizei eindeutige Angaben gemacht hatte, vor Gericht eingeknickt und hatte nur noch von einem unbekannten Mittäter gesprochen (unsere Zeitung berichtete).

Geburtstags-Gast

Für den zweiten Fall hatten der Schlosser und sein Verteidiger, der Rotenburger Rechtsanwalt Harald Ermel, mehrere Zeugen benannt, die bestätigen sollten, dass der Schlosser zur Tatzeit eine Geburtstagsfeier besucht, also ein Alibi hatte.

Verurteilt wurde der einschlägig vorbelastete und unter Bewährung stehende Bebraer am Ende der zweitägigen Beweisaufnahme trotzdem, und zwar für beide Taten.

Weil der Wackel-Zeuge im ersten Fall bei der Polizei noch freiwillig und ohne Druck ausgesagt hatte, schenkten Jugendrichter Dr. Rolf Schwarz und die beiden Schöffen seinen späteren Ausflüchten keinen Glauben.

Bei der zweiten Tat hatte es das Gericht leichter: Sowohl der seinerzeitige Mittäter als auch dessen Ex-Freundin sagten aus, dass der Angeklagte mit von der Partie gewesen war, als in einem Fuldaer Parkhaus ein VW Golf gestohlen wurde. Die Angaben der Geburtstags-Zeugen waren dagegen vergleichsweise vage.

Freispruch gefordert

Mit seinem Urteil von einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, blieb das Gericht ein Vierteljahr unter dem Antrag von Staatsanwältin Christine Seban. Darüber hinaus wurde eine Geldbuße von 500 Euro verhängt.

Verteidiger Ermel hatte in beiden Fällen Freispruch gefordert, weil die Zeugen seiner Ansicht nach keine verwertbaren Angaben geliefert hatten.

Von Karl Schönholtz

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