Diskussion über Situation der stationären Altenpflege: Sozial gedacht oder schlecht gemacht?

Was ist gute Pflege wert?

Diskutierten über die Situation in der Altenpflege: Leitende Pfarrerin Barbara Heller, MdB Michael Roth, Moderator Arnim Borowski (Leiter des Diakonischen Aus- und Fortbildungszentrums Hofgeismar), MdB Nicole Maisch, MdB Helmut Heiderich und Martin Markus, der stellvertretende Vorsitzende der Gesamt-Mitarbeitervertretung der Evangelischen Altenhilfe Hofgeismar (von links). Foto: Apel

BAD HERSFELD. Seit 1995 gibt es die Pflegeversicherung. Seit 2004 haben die Mitarbeiter der stationären Einrichtungen der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar (EAH), zu der auch das Bad Hersfelder Altenzentrum „Hospital“ gehört, keine Lohnerhöhung erhalten.

Dass da etwas nicht stimmt, liegt auf der Hand. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es immer mehr Menschen gibt, die von immer rarer werdenden, immer „ausgebrannteren“ Pflegekräften immer umfassender professionell versorgt werden müssen. Deshalb hatten Leitung und Mitarbeitervertretung der Evangelischen Altenpflege am Tag der Verfassung, in der geregelt ist, dass Deutschland ein Sozialstaat ist, die heimischen Bundestagsabgeordneten zu einer Podiumsdiskussion über die Situation der stationären Altenpflege und wie sie verbessert werden kann ins „Hospital“ eingeladen.

Else Kranz-Kroker als Angehörige, Einrichtungsleiter Armin Tränker und Altenpfleger Martin Markus formulierten in kurzen Eingangsstatements, was Kunden, Arbeitgeber und Arbeitnehmer erwarten.

Helmut Heiderich (CDU) verwies darauf, dass die Pflegeversicherung keine Rundumversorgung gewährleisten wolle. Da sie sich aus Solidarbeiträgen finanziere und letztendlich auch von der Wirtschaftskraft abhängig sei, müsse immer auf die richtige Balance geachtet werden. Ein Erfolg sei es, dass ab 2014 regelmäßig überprüft werde, ob die seit 1995 gleich gebliebenen Leistungen für Kosten der Heimunterbringung angepasst werden müssen. „Unerträglich“ sei jedoch, dass in langwierigen Pflegesatzverhandlungen um jeden Cent gefeilscht werde.

Mindeststandards

Michael Roth (SPD) forderte einen branchenübergreifenden, allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für Gesundheits- und Pflegeberufe und weitere Personalmindeststandards. Auf diese Weise könne man dahin kommen, dass sich Wettbewerbsbedingungen angleichen und dass Pflegekräfte angemessen entlohnt werden. „Gute Pflege muss uns etwas wert sein“, unterstrich der Heringer, der sich für die Einführung einer allgemeinen Bürgerversicherung einsetzte, um ein Ansteigen des Pflegeversicherungsbeitrags auf bis zu 2,5 Prozent zu verhindern. Keinesfalls dürfe man die Generationen gegeneinander ausspielen.

Ähnlich sah es Nicole Maisch (Grüne), die „15 Prozent mehr Geld ins System bringen“ will, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und um sicherzustellen, dass Pflegebedürftige „mehr als nur Satt-und-Sauber-Pflege“ erhalten.

Barbara Heller, die Leitende Pfarrerin der EAH, setzte sich dafür ein, dass steigende Kosten nicht länger nur allein auf Kunden und Sozialhilfeträger abgewälzt werden: „Die Pflegekasse muss tiefer in die Tasche greifen und der Begriff der Pflegebedürftigkeit muss erweitert und als systemrelevant angesehen werden!“

Elke Stephan beklagte den Ist-Zustand in der Altenpflege: „60 Prozent meiner Arbeitskraft gehen für die Dokumentation meiner Tätigkeit drauf – es zählt nur das, was auf dem Papier steht!“

Faustisches Fazit nach fast zwei Stunden Diskussion: Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt die Lösung.

Von Wilfried Apel

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