Auf gute Nachbarschaft

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser im Hersfelder Land, gestatten Sie, dass ich mich Ihnen vorstelle? Mein Name ist Christoph Witzel und ich bin Redakteur bei der Südthüringer Zeitung, die im Raum Bad Salzungen und Schmalkalden eigentlich nur stz genannt wird. Meine Mitarbeiter und ich wollen Ihnen ab sofort immer montags einen Brief schreiben – und die Kollegen der Hersfelder Zeitung schreiben einen an unsere stz-Leser. Warum wir das machen? Na, einfach weil wir Nachbarn sind – und seit nunmehr über zwanzig Jahren nicht mehr durch den furchtbaren Eisernen Vorhang getrennt.

Bad Hersfeld und Bad Salzungen sind nicht nur beides schöne Kur-, sondern sie sind auch Partnerstädte, und zwischen Philippsthal und Vacha verbindet uns die Brücke der Einheit. Viele Südthüringer arbeiten in Hessen, manche Osthessen arbeiten in Thüringen. Und weil wir gute Nachbarschaft wollen, haben die Kollegen aus Hersfeld und aus Salzungen sich diesen montäglichen Briefwechsel überlegt. Kleiner Grenzüberschreitungsbriefverkehr sozusagen.

Grenzübergreifend ist jedenfalls eine Diskussion, die derzeit in unserer Region Wellen schlägt. Ausgelöst hat sie Holger Heil. Der Kaplan der katholischen Kirchengemeinde in Geisa in der Rhön ist vom Dienst suspendiert worden, weil er eine Frau liebt und diese Liebe nicht verleugnen kann und will. Der Vorgang ist – das hat Geisas Stadtpfarrer Uwe Hahner auf den Punkt gebracht – „kirchenrechtlich folgerichtig, menschlich bedauerlich und persönlich für Holger Heil bitter“. Der beliebte und geschätzte Geistliche hat sein Zölibatsversprechen gebrochen und kann deshalb – so ist’s nun mal katholisches Recht – sein Priesteramt nicht weiter ausüben.

Punkt, aus, Schluss, könnte man nun sagen, wenn der Fall aus Geisa nicht ein besonderer wäre. Holger Heil scheut nämlich nicht wie andere Betroffene die Öffentlichkeit: Er steht zu seiner Liebe und er steht zu seiner Berufung zum Priesteramt. Der 36-Jährige spricht das Dilemma offen an, das sich daraus ergibt. Es ist dies ein persönliches, individuelles Dilemma – aber es ist auch eins der Kirche als ganzer. Denn die Frage, warum ein erst aus dem Mittelalter stammendes Kirchengesetz über dem Sakrament der Priesterweihe steht, muss sie sich schon stellen lassen, und zwar nicht nur in Zeiten zunehmender Kirchenaustritte und wachsenden Priestermangels.

Aber kommen wir von diesem ernsten Thema noch schnell zu etwas Heiterem. Und heiter ist bekanntlich die Kunst. In Bad Hersfeld beginnen ja in dieser Woche die großen, wunderschönen Festspiele. In Bad Salzungen läuft bereits der kleine, feine Kultursommer. Am Samstag gastiert Wolf Maahn mit Band vor dem Haunschen Hof mitten in der Stadt. Wäre schön, Sie dort begrüßen zu können.

Christoph.Witzel@stz-online.de

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