„Kleine Festspiele“ präsentierten modernes Schneewittchen

Gute Ideen kommen beim Improvisieren

Die Inszenierung war voll an witzigen Einfällen: Schneewittchen (Pamela Bindel) will einen Burger essen und lernt so die netten sieben Zwerge bei McDonald’s kennen. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Mit einem umfangreichen, kreativen Programmangebot veranstaltet in diesen Tagen die Stadtjugendpflege ihre Kinder- und Theaterwoche. Zum achten Mal in Folge warten die „Kleinen Festspiele“ mit beeindruckenden Inszenierungen und Aktionen auf.

Dazu gehörte auch die Aufführung der Theatergruppe mit dem originellen Namen „Die durchgebrannten Pürierstäbe“. Die neun Jugendlichen hatten sich „Schneewittchen“ als Vorlage ausgesucht, um diesen Märchenklassiker „streng am Inhalt, aber trotzdem ziemlich daneben“ am Dienstagvormittag im gut besuchten Buchcafé zu präsentieren. Edgar Steube, der pädagogische Leiter der Stadtjugendpflege, führte zusammen mit seiner Tochter Clara Regie. Starke Dialoge, geistreiche Pointen und exzellente Schauspielerei verwandelten die etwas verstaubte Geschichte von der wach geküssten Prinzessin und den sieben Zwergen in eine moderne Komödie mit hohem Unterhaltungswert.

Eskimos und neue Flamme

Wie es zu dieser ansprechenden Neufassung kam, schilderte Steube so: „Wir spielen erst einmal drauf los. Dabei wird viel improvisiert, was eine Menge guter Ideen hervorbringt.“ Viele arbeitsintensive Stunden waren für diese Geschichte nötig: Auf einer Reise nach Alaska stirbt Schneewittchens Mutter. Schneewittchen wird von Eskimos gerettet und danach von ihrem Vater nach Hause geholt. Der stellt ihr kurz darauf seine „neue Flamme“ vor. Beide Frauen wissen sofort, dass sie sich nicht mögen.

„I feel pretty“ singt die Stiefmutter Elke, wenn sie den Spiegel befragt, ob dieser sie schön findet. „Killing me softly“, erklingt, wenn die Böse einen Killer anheuert. Der will erst einmal den Vertrag geklärt haben: Erstechen, erschießen oder ersticken, Vorkasse und Risikozuschlag?

Die Szene ist bereits überaus komisch, ihr folgen noch jede Menge weitere, die für schallendes Gelächter im Saal sorgen. In Anlehnung an einen Loriot-Sketch diskutiert der Spiegel eifrig mit Elke, ob diese im roten, grünen oder blauen Kleid schöner aussieht. Schneewittchen landet auf ihrer Flucht bei McDonald’s, wo die sieben Zwerge arbeiten. Sie wird am Ende werksgetreu vom Prinzen, den sie zuvor beim Chatten kennen gelernt hat, wach geküsst. Mit ihrer starken Spielkunst fielen Clara Steube als Stiefmutter, Pamela Bindel als Schneewittchen und Jonas Orf als Killer besonders auf. Doch auch ihre Schauspielkollegen und -kolleginnen Niclas Dodson, Marc Güldner, Ugur Kasal, Dogukan Kasim, Christopher Seban, Ahmed Alkalani und Svenja Weber waren hervorragende Besetzungen.

Die „Kleinen Festspiele“ werden heute mit einem Spiel- und Theaterworkshop sowie einem Probenbesuch fortgesetzt. Morgen zeigt das D.a.S. Theater Köln „Wilder Panther, Keks“ um 10.45 Uhr in der Stadthalle.

Von Vera Hettenhausen

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