Amtsgericht: Einzelrichter Schnelle verurteilt Disco-Schläger zu Freiheitsstrafe

Grundlos Faust ins Gesicht

Bad Hersfeld. „Das war der Alkohol“, meinte der Angeklagte, ein 23 Jahre alter Mann ohne Beruf, um dem Gericht zu erklären, warum er in der Silvesternacht 2008/09 in einer Unterhauner Discothek gleich zweimal massiv zugeschlagen hat.

In jener Nacht kam es in der Diskothek immer wieder zu Auseinandersetzungen (wir berichteten). Gegen 2.30 Uhr hatte sich im Vorraum eine Menschentraube mit unterschiedlichen Interessenslagen gebildet. Die einen standen einfach da und unterhielten sich, einige wollten wieder rein und wurden vom Türsteher daran gehindert, andere wollten ihre Jacken holen. In dieser Situation wollte der Angeklagte, der auch schon al Türsteher in der Disco gearbeitet hatte, seinem Kollegen zur Hilfe kommen. Das tat er, indem er einfach einem Unbeteiligten mit der Faust ins Gesicht schlug. Ob er ihn anschließend auch noch getreten hat, ließ sich anhand der Zeugenaussagen nicht mehr eindeutig klären. Der Geschlagene trug eine blutende Platzwunde als Folge des Schlages davon.

Wenig größer war der Anlass, der den jungen Mann drei Stunden später erneut ausrasten ließ. Ein Bekannter habe ihm erzählt, der G. sei sauer auf ihn und wolle ihn schlagen, berichtete er.

Frei erfunden

Diesem – wie sich später herausstellte – frei erfundenen Angriff habe er zuvorkommen wollen, räumte der 23-Jährige ein. Er stürmte, begleitet von einigen Bekannten, auf sein nichtsahnendes Opfer zu, rief dessen Namen und knallte ihm die Faust ins Gesicht, bevor der Angesprochene sich überhaupt hatte umdrehen können. Der fiel mit einer stark blutenden Platzwunde im Gesicht vom Hocker, verletzte sich dabei an der Schulter und wurde anschließend noch mit Tritten vom Angeklagten und dessen Begleitern traktiert.

Attacke mit Barhocker

Seine Verletzungen wären noch weit schlimmer gewesen, wenn die Gesprächspartnerin des Opfers nicht geistesgegenwärtig eingegriffen und den Angeklagten darin gehindert hätte, mit einem Barhocker auf den am Boden Liegenden einzudreschen und ein weiterer Freund sich nicht schützend vor ihn gestellt hätte. Beide Helfer wurden ebenfalls verletzt.

Der Geschlagene selbst musste ins Krankenhaus gebracht werden und war anschließend für einen Monat krank geschrieben.

Da der Angeklagte bereits über ein ansehnliches Vorstrafenregister verfügt, waren sich Oberamtsanwalt Berthold Hartung und Richter Elmar Schnelle einig, dass diesmal nur eine Freiheitsstrafe verhängt werden könne. Schnelle folgte dem Antrag Hartungs und verurteilte den 23-Jährigen zu einer Freiheitstrafe von neun Monaten, die jedoch auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Als spürbare Auflage muss der junge Mann mit der locker sitzenden Faust 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Bringen sie sich besser unter Kontrolle“, redete Richter Schnelle ihm eindringlich ins Gewissen. Immerhin zeigte sich der 23-Jährige reumütig, akzeptierte die Strafe und entschuldigte sich bei seinen Opfern.

Von Christine Zacharias

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