Grund zum Feiern und einer über den Durst

Kai A. Struthoff

In allen Städten und Gemeinden des Kreises konstituieren sich in diesen Tagen und Wochen die neuen Kommunalparlamente. Meist sind das sehr harmonische und auch ein wenig feierliche Sitzungen. Und feiern dürfen wir auch zurecht diese Form der kommunalen Mitbestimmung. Dank verdienen vor allem jene Mitbürger, die sich zur Wahl gestellt haben und nun Verantwortung für ihre Gemeinden übernehmen.

Manchmal ist dieser ehrenamtliche Job ziemlich undankbar, denn viele Gemeindevertreter sind in der Zwickmühle zwischen den Ansprüchen der Wähler und dem finanziell und politisch Möglichen.

Aus Respekt vor dieser wichtigen Arbeit wird die HZ auch nach dieser Wahl die Zusammensetzung der Parlamente auf Bilderseiten dokumentieren.

Während in den meisten Gemeindevertretungen die Verteilung von Aufgaben und Posten harmonisch verlief, war Bad Hersfeld mal wieder für eine Überraschung gut. Obwohl schon alles auf ein große Koalition von SPD und CDU hindeutete, wurde dann doch mit heißer Nadel ein äußerst fragiles Bündnis aus fünf Parteien geschmiedet. Mit nur einer Stimme über den Durst soll künftig Stadtpolitik gemacht werden. Und dabei sollen die Interessen von Linken und CDU, von Liberalen und Freien Wählern unter einen Hut gebracht werden. Und auch die „Schülbe-Truppe“, die als einzige im Wahlkampf völlig unsinniger Weise und populistisch auf das Flüchtlingsthema gesetzt hatte und deshalb von den anderen geächtet worden war, darf wieder mitmischen. Wenn das mal gut geht!

Gewiss, die SPD trägt nach Jahren voller Arroganz der Macht eine Mitschuld daran, dass keiner mehr mit ihr will. Dennoch liegt der Verdacht nahe, dass es hier einigen Stadtpolitikern vor allem um Posten und weniger um Politik geht. Politische Beobachter geben dem neuen Bündnis keine drei Monate. Die ersten Risse sind schon in der ersten Sitzung entstanden. An den sprichwörtlichen „Hersfelder Verhältnissen“ ändert sich wohl nichts.

Ob man sich angesichts des Flüchtlingselends in den Lagern in Griechenland oder der Türkei darüber freuen kann, dass der Flüchtlingsstrom zu uns versiegt ist, das liegt sicher im Auge des Betrachters. Fakt ist, dass kaum noch Schutzsuchende zu uns kommen. Viele Notaufnahme-Einrichtungen stehen leer. Wir hören, dass das Land in der kommenden Woche darüber entscheiden will, was mit diesen Quartieren passieren soll. Vielleicht werden der Herkules in Bad Hersfeld und der Toom-Markt in Bebra schon bald dicht gemacht – zumindest solange, bis die nächste Flüchtlingswelle rollt.

Zuletzt noch ein Hinweis in eigener Sache: Wegen der umfangreichen Berichte über die Kommunalwahlen, jetzt zum Beispiel die Bilderseiten der Parlamente, sind bei uns einige Vereinsberichte und Jahreshauptversammlungen liegengeblieben. Der Platz in der Zeitung ist leider endlich, unsere Arbeitskraft auch. Doch kein Manuskript geht verloren. Wir arbeiten daran! Versprochen!

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