Geteiltes Echo auf erste Trendergebnisse der Kommunalwahl / Kritik am Wahlsystem

Grüne jubeln, CDU grollt

Kaya

Hersfeld-Rotenburg. Die Grünen sind auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg die Gewinner der Kommunalwahl. Obwohl in den Rathäusern noch fleißig ausgezählt wird und Endergebnisse erst Mitte der Woche erwartet werden, sind die ersten Trendmeldungen unterschiedlich bewertet worden.

Überschattet von Japan

„Wir sind schon ziemlich zufrieden“, sagt die Grüne-Spitzenkandidatin Kaya Kinkel aus Wildeck. Nach ersten Prognosen konnte die Ökopartei ihren Stimmenanteil in Kreistag vervierfachen. Auch in allen Gemeinden, in denen die Grünen angetreten sind, ziehen sie in die Parlamente ein. Nach der Katastrophe von Japan sei die Akzeptanz der Grünen deutlich gestiegen, meint Kinkel. Doch der Wahlerfolg sei nicht allein auf die Anti-Atompolitik zurückzuführen. „Wir haben auch sonst gute Konzepte.“

Über mögliche Koalitionen wollten sich Kaya Kinkel und ihr grüner Mitstreiter Jörg Althoff noch nicht äußern. „Die meisten thematischen Überschneidungen gibt es mit der SPD“, sagt Althoff. Man wolle aber auch mit der CDU sprechen.

Gar nicht zufrieden mit dem Wahlausgang zeigte sich Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, der auch die CDU-Liste anführte. „Wir haben Stimmen verloren, aber die SPD hat noch mehr eingebüßt.“ Er bedauerte die geringe Wahlbeteiligung, die der guten Arbeit der zumeist ehrenamtlichen Kommunalpolitiker nicht gerecht werde. „Die Wahl wurde von den Ereignissen in Japan überlagert“, sagt Schmidt. Davon hätten allein die Grünen profitiert. Ihr Abschneiden sei daher kein Indiz für besonders gute politische Arbeit vor Ort. Schmidt kündigte an, den Sparkurs im Kreis fortzuführen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und hessische Generalsekretär Michael Roth glaubt auch, dass die Grünen vom „Anti-Atom-Gründungsmythos der Partei“ profitiert haben, freute sich aber gleichzeitig über das starke Abschneiden der SPD in Philippsthal, Cornberg, Nentershausen, Kirchheim und Haunetal. Die niedrige Wahlbeteiligung führt Roth auf eine wachsende Spaltung der wahlberechtigten Bevölkerung zurück. Ein weiterer Grund sei aber auch das komplizierte Wahlrecht, wofür auch die hohe Zahl ungültiger Stimmen spreche.

FDP-Kreisvorsitzender und Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling war über das starke Abschneiden seiner Partei in der Stadt erfreut, wo die Liberalen laut Trend auf 11 Prozent kommen. Auch im Kreis hatte die FDP mit 3,5 Prozent leicht zugelegt. LOKALSEITEN 2/3

Von Kai A. Struthoff

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