Mehr als 20 Darsteller und Regisseure machen 400 Gästen bei der HZ-Matinee Lust auf die 62. Festspielzeit

Großes Kino auf kleiner Bühne

Bad Hersfeld. Öffnet die City Galerie an einem Sonntag die Türen, lässt das meist etwas ganz Besonderes erwarten. Genau so war es auch am gestrigen Tag. Da nämlich hatte die Hersfelder Zeitung zur alljährlichen Festspiel-Matinee „Stars aus der Ruine“ eingeladen. Als um 11 Uhr die Türen öffneten, strömten die Besucher in Scharen hinein.

Rund 400 Festspiel-Fans wollten sich den Vorgeschmack auf die 62. Spielzeit nicht entgehen lassen. Und kamen bei der eineinhalbstündigen Veranstaltung sicherlich voll auf ihre Kosten. Von HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm in bewährt launiger Art moderiert, plauderten Schauspieler und Regisseure aus dem Nähkästchen und ließen die Vorfreude auf die in 14 Tagen beginnenden Theaterwochen nochmals wachsen.

Nachdem die „N’Awlins Brass Band“ für einen stimmungsvollen Auftakt gesorgt hatte, versprach Moderator Pfromm „ganz großes Kino“. Er sollte Recht behalten – denn neben Intendant Holk Freytag waren der Einladung der Hersfelder Zeitung mehr als 20 Schauspieler und Regisseure gefolgt.

Und die zeigten sich gut gelaunt und in Bestform. „Ja, sozusagen bin ich wieder zu Hause. Schlechtes Wetter wie immer, aber dafür liebevolle Menschen – was will man mehr?“, sagte Volker Lechtenbrink zur Begrüßung. Mit sechs weiteren Darstellern des „König Lear“ machte der Wahl-Hamburger, der während seiner Engagements mehr als vier Jahre seines Lebens in der Festspielstadt verbrachte, mit einigen Szenen aus dem von Holk Freytag inszenierten Stück Appetit auf mehr.

Selbst auf der kleinen Bühne in der City Galerie, laut Hersfeld-Rückkehrer Julian Weigend „so groß wie vier Telefonzellen“, zeigte das Lear-Ensemble, auf was sich das Publikum freuen darf. So dürften zum Beispiel Lechtenbrink als lebendig gewordener Wahnsinn oder Bernd Kuschmann in seiner Rolle als Graf von Gloucester, der mit ausgestochenen Augen nur noch den Selbstmord sucht, vor der Kulisse der Stiftsruine gleich noch mehr beeindrucken.

Eine gewisse Magie werden die Wände der Ruine mit Sicherheit auch „Anatevka“ verleihen. Mit Milchmann Tevje (Michael Schanze), seiner Frau Golde (Marianne Larsen) und den drei Töchtern war gestern Vormittag die „ganze Familie“ in der City Galerie zu Gast. Welch eingeschworene Truppe sie bereits sind, stellten sie unter Beweis, als sie mit vier Gesangsstücken einen Vorgeschmack auf das Musical gaben.

„Ich bin sozusagen wieder zu Hause. Schlechtes Wetter, aber liebevolle Menschen – was will man mehr?“

VOLKER LECHTENBRINK

Während die Töchter beispielsweise ein Liedchen zum Besten gaben, prüfte Papa Schanze erst einmal die Akustik und zählte hinterher definitiv zu den lautesten Beifallsspendern. Überhaupt avancierte der Hersfeld-Neuling, der ein paar Haare, ein wenig Bart und einige Pfunde mehr mit sich trägt, als es die meisten Besucher wohl erwartet hatten, mit seiner humorvollen und bodenständigen Art nicht erst im Laufe der Veranstaltung zum Publikumsliebling.

Videobericht

Eine Menge Sympathiepunkte sammelten zu guter Letzt auch noch die Darsteller des Mann-Stückes „Der Zauberberg“. Denn auf der Bühne stellten sie unter Beweis, dass ein „oft als schwierig und sperrig empfundener Stoff“, wie ihn Moderator Markus Pfromm bezeichnete, durchaus unterhaltsam sein kann. So brachte eine von Sören Wunderlich, Thomas Gimbel und Co. vorgetragene Szene des Stückes das Publikum immer wieder zum Schmunzeln.

Stars aus der Ruine - Festspielmatinee der Hersfelder Zeitung

Egal ob Lear-, Anatevka- oder Zauberberg-Fan – auf seine Kosten ist gestern Vormittag wohl jeder einzelne Besucher gekommen. So manchem gefiel es gar so sehr, dass er sich am mobilen Verkaufsstand direkt noch Eintrittskarten sicherte.

Von Kristina Marth

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