Hans-Heinrich Jäger hat die Festschrift zum Jubiläum der Hersfelder Feuerwehr verfasst

Großeinsatz als Historiker

Zu Hause mit den Mini-Rettern: Die Spielzeugfeuerwehrautos hat Hans-Heinrich Jäger von seiner Frau geschenkt bekommen. Über die originalgroßen Hersfelder Brandbekämpfer hat er zum Jubiläum jetzt eine Chronik geschrieben. Foto:  Trebing

Bad Hersfeld. Beim größten Einsatz der Bad Hersfelder Feuerwehr trug Hans-Heinrich Jäger noch keine Uniform. Der damals 17-Jährige stand am 16. März 1952 als Posaunenbläser auf dem Turm der Stadtkirche, als er plötzlich Glas splittern hörte. Ein Scherbenregen ergoss sich auf das Kopfsteinpflaster unter ihm, dann stiegen auch schon die ersten Rauchschwaden auf.

Fast 60 Jahre später hat sich der ehemalige Bäckermeister wieder oft an diesen Moment erinnert. Denn in den vergangenen Monaten hat er einen Großteil seiner Zeit den Männern gewidmet, die die Stadtkirche damals gelöscht haben.

Zum 150. Geburtstag der Bad Hersfelder Freiwilligen Feuerwehr hat Hans-Heinrich Jäger die Festschrift verfasst, ein 127-seitiges Heftchen, in dem mehr Arbeitsstunden stecken als er zählen kann.

„Das Thema lag mir am Herzen“, erzählt der 76-Jährige. „Bei der Feuerwehr geht es ja immer darum, Menschen zu helfen.“ 40 Jahre lang hat Hans-Heinrich Jäger selbst in Feuerwehruniform gesteckt. In seinem Büro hängt immer noch ein altes Alarmsystem, mit dem er in trommelfellbedrohender Lautstärke zum Einsatz gerufen wurde.

Um die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Hersfeld erzählen zu können, hat er in seiner Erinnerung, im Internet und auch in verschiedenen Archiven gegraben. Zutage gefördert hat er eine Organisation, deren Mitglieder sich von offiziersähnlichen Gestalten mit Säbel am Gürtel zu gut ausgerüsteten High-Tech-Rettern gewandelt haben. „Heute muss man unheimlich viel wissen“, erzählt Hans-Heinrich Jäger. „Das ist vielleicht der größte Unterschied zu früher.“

Ohne Freiwillige geht’s nicht

Es gibt aber auch Dinge, die sich in 150 Jahren nicht verändert haben. Zum Beispiel, dass die Feuerwehr auch ein sozialer Mittelpunkt einer Kleinstadt ist, dass dort schon Kinder lernen können, dass man aufeinander aufpassen sollte. Und natürlich, dass das Feuerlöschen und Unfallretten ohne die Freiwilligen garnicht funktionieren würde.

Hans-Heinrich Jäger hat in seiner Feuerwehrlaufbahn vieles gesehen, was ihn belastet hat. Er hat hochgiftige Chemikalien entsorgt, als man von Schutzkleidung nur gehört hatte. Trotzdem will er die Zeit nicht missen, als ihn jederzeit ein Notruf aus der Badewanne holen konnte. „Es ist eine Aufgabe mit Verantwortung“, sagt er. „Schade, dass viele heute so ein Amt nicht mehr übernehmen wollen.“

Neben dem Stadtkirchenbrand 1952 hat Jäger auch andere spektakuläre Einsätze miterlebt. 1972 wurde die Feuerwehr zu einem Chemieunfall nach Blankenheim gerufen, wo sie nur mit Handschuhen ausgerüstet vor einer Ladung Fluorwasserstoff stand. Auch an den Brand in der US-Disco „NCO“ 1976 kann er sich gut erinnern.

Einmal war die spektakuläre Feuerwand sogar hausgemacht. An der Lomo-Kreuzung sollte als Übung für die Einsatzkräfte eine baufällige Scheune abgebrannt werden. Doch irgendwer hatte es wohl mit dem Brandbeschleuniger übertrieben und die Hitze des Feuers verbog die Laternen auf der Bundesstraße. „Aber auch das ist gut gegangen“, sagt Hans-Heinrich Jäger. „Noch haben wir jedes Feuer ausbekommen.“

†  Die Chronik von Hans-Heinrich Jäger ist im Internet über www.feuerwehr-bad-hersfeld. de für acht Euro erhältlich.

Von Saskia Trebing

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