Benefizveranstaltung in der Stadthalle mit dem Musikkabarett Mistcabala

Die große Wundertüte

Ein Musikkabarett vom Feinsten: Tobias Klug (Bass), Armin Federl (Akkordeon), Tom Hake bei seiner Persiflage auf „Howie“ und Vitus Fichte (Gitarre, von links) gehören zu den glücklichsten Menschen Deutschlands. Fotos: Schmidl

Bad Hersfeld. So sehen glückliche Menschen aus. Die Besucher in der Stadthalle und das Herrenquartett Mistcabala auf der Bühne strahlten um die Wette. Letztere begeisterten mit einem Musikkabarett der Spitzenklasse anlässlich einer Benefizveranstaltung unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, zu dem der Förderkreis Hessischer Multiple Sklerose Kranker e.V. aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums des hessischen Landesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft eingeladen hatte.

Platzen vor Glück

Die vier Herren haben einen guten Grund, vor Glück fast zu platzen, schließlich kommen sie aus Landsberg am Lech. Dort leben nach einer Umfrage des Magazins Stern die glücklichsten Menschen Deutschlands.

Tobias Klug, Armin Federl, Vitus Fichtl und Tom Hake, die ohne Gage auftraten, sprühen vor Lebensfreude, beweisen tiefsinnigen Humor und sind exzellente Musiker. Kontrabass, Akkordeon und Gitarren gehören zur instrumentalen Grundausstattung, aber erst Dudelsack, Drehleier, Klarinette und Brummtopf verleihen ihren außergewöhnlichen Interpretationen wie die von Ravels „Bolero“ eine ganz besondere Note.

Die Kabarettisten beschäftigen sich gern mit den kleinen Dingen des Lebens - feinsinnig, witzig und skurril. Ihr Programm gleicht der „großen Wundertüte“, die sie beim Besuch der heimischen Eisdiele begehren. Man weiß nicht, was drin ist, wird aber von dem Inhalt positiv überrascht.

Es wurde herzlich gelacht über den Schweizer Grenzpolizisten, der den unterfränkischen Dudelsack mit einem Tierkadaver verwechselt, über die „Unlustknaben 2010“ in Lack und Leder und über Otto Reuthers Erdmännchen „Gogolore“.

Zwar verwandelte sich die von „der Vulkanasche befreite“ Stadthalle nicht wie gewünscht in einen Hexenkessel, aber ein Funken Glück sprang auf die Besucher über, zu denen auch viele an Multipler Sklerose erkrankte Menschen gehörten.

Mit ihrem Auftritt unterstützen die Landsberger über 6000 Menschen in Hessen, die von dieser unheilbaren Krankheit betroffen sind. Mistcabala heißt Mistgabel auf Hochdeutsch und stochert als solche tief in dem täglichen Wahnsinn. Die originelle Truppe gilt zu Recht als die Entdeckung des deutschen Musikkabaretts. In der Rolle des ungeduldigen Hausmeisters drängte Tom Hake schließlich auf das Ende der Veranstaltung.

Mit einem „Harfestück to go“ und einem breiten Grinsen im Gesicht wurde das Publikum nach zwei Stunden „Licht und Farbe“ in den grauen Alltag entlassen. Sein donnernder Applaus wurde von dem genialen Quartett kopfschüttelnd kommentiert: „Führen Sie sich bitte nicht so auf“.

Von Gudrun Schmidl

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