Das unschöne Ende einer Beziehung beschäftigte das Jugendschöffengericht

Große Liebe, großer Ärger

Bad Hersfeld. Noch im vergangenen Dezember war der Angeklagte gemeinsam mit seiner Freundin bei der Bewährungshilfe erschienen, hatte von der großen Liebe geschwärmt und einer gemeinsamen Zukunft. Heute ist die junge Frau tatsächlich verheiratet und schwanger – allerdings mit und von einem anderen Mann.

Dazwischen lagen für die ehemals Liebenden Tage großen Ärgers, der jetzt auch das Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld beschäftigte. Nötigung, Bedrohung und Diebstahl warf Staatsanwalt Harald Reith dem 21 Jahre alten Bebraer vor, der nun wegen einer zur Bewährung ausgesetzten Vorstrafe um seine Freiheit fürchten musste. Sich des Ernstes seiner Lage bewusst hatte der momentan arbeitslose junge Mann sogar ein Jackett angezogen und einen Schlips umgebunden.

Dass er die Ex-Freundin und ihren neuen Partner im Februar per SMS unflätig beschimpft und ihnen ein Unglück angedroht hatte, das räumte der Angeklagte denn auch gleich ein. „Das hätte ich nicht schreiben sollen“, gab er sich einsichtig.

Alles abgestritten

Doch trotz des deutlichen Hinweises der Gerichtsvorsitzenden, Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock, dass sich ein Geständnis strafmildernd auswirken würde, stritt der 21-Jährige die weiteren Punkte ab: Weder eine handgreifliche Auseinandersetzung mit der ein Jahr jüngeren Frau gab er zu, noch den Diebstahl von einem Paar Turnschuhe in Bad Hersfeld.

Obwohl die Zeugin anschaulich schilderte, wie sie der gerade abservierte Freund in seiner Wut gegen die Wand gedrückt und ihr klargemacht habe, was er ihr jetzt am liebsten antun würde, gab es zwischen ihrer und seiner Aussage einige Ungereimtheiten. So hatte die junge Frau anstatt lauthals zu rufen wohl versucht, einen Hilferuf per E-Mail abzusetzen...

Der Angeklagte beteuerte hingegen, niemals tätlich geworden zu sein. Weil sich auch der Tattag nicht genau bestimmen ließ, wurde dieser Anklagepunkt im Hinblick auf die bereits eingestandene Bedrohung eingestellt.

Gar freigesprochen wurde der Bebraer vom Vorwurf des Schuh-Klaus: Die Verkäuferin, die ihn noch bei der Polizei auf Fotos zweifelsfrei identifiziert hatte, war sich vor Gericht genauso sicher, dass es der Angeklagte nicht gewesen war. Außerdem stimmten seine Schuhgröße und die des Diebes nicht überein.

Mit der Suche nach der passenden Strafe tat sich das Gericht dennoch nicht leicht. Weil zwischenzeitlich auch noch die Windschutzscheibe am Pkw der Zeugin von einem bislang unbekannten Täter zertrümmert wurde – verdächtig ist natürlich der Angeklagte –, verhängten Richterin Kilian-Bock und ihre Schöffen anstatt der beantragten Arbeitsauflage ein Anti-Aggressionstraining.

Erlaubtes Mittel

Im Jugendrecht, das im Falle von Reifeverzögerungen bis zum 21. Lebensjahr angwendet werden kann, ist eine solche Erziehungsmaßnahme ein erlaubtes Mittel. Mit diesem Urteil waren am Ende alle einverstanden, so dass es sofort rechtskräftig wurde.

Von Karl Schönholtz

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