„Love Letters“ mit Andrea Cleven und Festspielintendant Holk Freytag im Grebekeller

Große Gefühle, kleine Gesten

Einen Briefwechsel über 50 Jahre zelebrierten Festspielintendant Holk Freytag (oben) und die Schauspielerin Andrea Cleven in dem Zwei-Personen-Stück „Love Letters“. Das Publikum im Grebekeller war begeistert. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Andrea Cleven als Melissa Gardner und Holk Freytag als Andrew Makepeace Ladd III. lassen die Zuschauer im ausverkauften Grebekeller anhand eines nahezu 50 Jahre währenden Briefwechsels die Geschichte der unerfüllten Liebe zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, miterleben.

Aus einer Geburtstagseinladung, die Melissa ihrem Klassenkameraden Andy zusteckt, entwickelt sich die Geschichte einer großen Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen. Anfänglich flapsig und frech entwickelt der Briefwechsel zunehmend Tiefe und spiegelt die Gefühle, Zweifel und Eifersüchte zweier Menschen, deren Lebenswege immer weiter auseinander driften, sich aber auch immer wieder kreuzen.

Eine Katastrophe

Die erste gemeinsame Nacht wird eine Katastrophe, nacheinander heiraten beide und bekommen Kinder, er macht Karriere, sie wird geschieden, fängt an zu trinken und macht ihre erste Entziehungskur. Schließlich kommen beide nach über 40 Jahren für ein paar gestohlene Nächte zusammen. Während Melissa endlich glücklich scheint, stellt Andy seine Karriere über ihre Liebe und beendet die Affäre, woraufhin sie wieder zur Flasche greift und sich letztendlich das Leben nimmt.

Erst nach Melissas Tod erkennt Andrew, dass er sie sein ganzes Leben lang wirklich geliebt hat und was er nun für immer verloren hat und schreibt einen letzten Brief an seine „verlorene Prinzessin“.

Andrea Cleven begeistert als Melissa, die rebellische Tochter aus reichem Haus, die ein wildes, unstetes Leben führt, sich jedoch tief im Innersten nach Liebe sehnt und schließlich dem Alkohol verfällt. Holk Freytag als ihre große Liebe Andrew Ladd spielt überzeugend den Prototyp des erfolgreichen Politikers mit Vorzeige-Familie, der sich nur in seinen Briefen an Melissa öffnet und Gefühle zulässt.

Anbei die Schnipsel

Regen anfänglich noch die kleinen, ironischen Wortgefechte (Andy: „Ich schreibe Dir, weil Du beim letzten Mal einfach aufgelegt hast, als ich Dich angerufen habe. Bei Briefen kann man nicht aufhängen, das ist das Gute daran.“ Melissa: „Aber man kann sie zerreißen. Anbei die Schnipsel.“) zum Lachen an, so berührt zunehmend das unaufhaltsame Scheitern der Liebe der beiden, die schließlich in einer Katastrophe endet.

„Love Letters“, das 1988 uraufgeführte Zwei-Personen-Stück des amerikanischen Dramatikers Albert Ramsdell Gurney, blickt schonungslos hinter die Fassade der amerikanischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts und ist gleichzeitig eine Hommage an die Kunst des Briefeschreibens. Unter Kritikern gilt es als eines der besten amerikanischen Stücke der achtziger Jahre.

Von Thomas Landsiedel

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