Fußball-Weltmeisterschaft: Holländische Camping-Gäste hoffen jetzt auf Deutschland

Der große Frust blieb aus

Auf voller Lautstärke: Die holländische Familie Krist, Vater Walter (46), Mutter Jeltje (45) sowie Thijs (Mütze, 11) und Mart (14), verfolgten das Halbfinale über das Radio. Foto: Beck

Rotenburg / Heringen. Gestern Morgen hatte kaum ein holländischer Gast sein Wohnmobil auf dem Campingplatz in Rotenburg verlassen. Der Grund dafür war aber nicht nur allein das durchwachsene Wetter. „Natürlich sind wir noch etwas enttäuscht“, sagte Walter Krist über das WM-Aus seiner Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Argentinien.

Aber von großer Trauer ist nicht viel zu spüren. „Wir befinden uns im Urlaub, da lassen wir uns die Stimmung auch nicht davon vermiesen“, sagt der 46-Jährige aus Deventer.

Genauso sieht das auch der Holländer Johannes Mennings, der seit 2012 den Campingplatz Werratal-Camping in Heringen betreibt: „Ich sehe es ganz sportlich. Es ist schade, aber ich habe kein Problem mit dem Ausscheiden.“ Und das, obwohl er genau wie Familie Krist in der Nacht noch sehr mit seiner Nationalmannschaft mitgefiebert hatte.

Auf 1:0 gewartet

Der Holländer in Rotenburg, Walter Krist, saß mit seiner Frau Jeltje und den beiden Söhnen während der Übertragung der Begegnung am kleinen Tisch des Wohnmobils. „Wir haben gewartet, dass die Radio-Kommentatoren endlich das 1:0 für uns bejubeln“, sagt die 45-jährige Jeltje. Einen Fernsehen haben sie nicht, weshalb sie auf ihren Handys Radio hörten. Sie hätten auch geahnt, dass das Spiel länger dauern würde.

Beim Elfmeterschießen hätten sie dann sehr gelitten. „Ich war sehr angespannt“, verrät Walter Krist, „aber leider hat Holland eine Riesenchance verpasst. Das ganze Land wäre gerne im Finale gegen Deutschland Weltmeister geworden“, sagt er. Dennoch sei er zufrieden mit dem Ergebnis der Nationalmannschaft. Nun sei es aber egal, ob sie Dritter oder Vierter würden. Stolz ist er trotzdem: „Vor der WM hat fast keiner daran geglaubt, dass die Elf das Halbfinale erreicht.“

Jetzt ist sich die Familie einmütig sicher, dass Deutschland knapp gewinnen und sich damit die Weltmeisterkrone aufsetzen wird. „Es ist unser Nachbarland, klar, dass wir zu Deutschland halten“, sagt Jeltje.

Wo die Holländer das Endspiel schauen oder ob sie es wieder im Radio hören werden, wissen sie noch nicht. „Wir fahren am Wochenende wieder weg aus Rotenburg. Vielleicht in Richtung Main“, erzählt Jeltje. Diese Freiheit mache schließlich auch den Trip mit dem Wohnwagen aus, berichten sie. Aber ihr erster Aufenthalt in Rotenburg habe ihnen gut gefallen.

Und auch Johannes Mennings tippt auf Deutschland. „Muss ich auch, sonst kriege ich Ärger mit meiner deutschen Frau, mit der ich seit zwölf Jahren verheiratet bin“, sagt er schmunzelnd.

Von Nico Beck

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