Saisoneröffnung im Grebekeller mit Hersfeldpreis-Trägerinnen und Holk Freytag

Große Emotionen im Keller

Bad Hersfeld. Zum Auftakt der Saison 2015/2016 im Bad Hersfelder Grebekeller freute sich Götz Geisler einmal mehr über ein ausverkauftes Haus. Kein Wunder, standen doch mit Marie-Thérèse Futterknecht (Großer Hersfeldpreis 2014), Marie Anjes Lumpp (Hersfeldpreis 2014) und dem ehemaligen Intendanten Holk Freytag große Namen der Bad Hersfelder Festspiele auf der Bühne im Hersfelder Kulturkeller.

Gemeinsam mit Sébastien Jacobi (2015 Ruprecht in der „Zerbrochne Krug“) und musikalisch behutsam begleitet von Dr. Manuel Schmidtlein am E-Piano trugen sie Auszüge aus dem Gedichtzyklus „Die Toten von Spoon River“ vor.

Edgar Lee Masters lässt in seinem, übrigens auf den Tag genau 50 Jahre nach der Ermordung von Abraham Lincoln veröffentlichten, Gedichtband die Toten des Friedhofs von Spoon River, einer fiktiven amerikanische Kleinstadt, ein letztes Mal zu Wort kommen. In einer Art Jüngstes-Gericht-Situation berichten sie der Welt in kurzen, selbst verfassten Nachrufen die Wahrheit über sich, ihr Leben und ihren Tod.

Im Rückblick suchen sie nach Entschuldigungen für ihr Scheitern, Rechtfertigungen für ihr Handeln oder malen sich aus, wie ihr Leben unter anderen Umständen hätte verlaufen können. Masters hat damit der Engstirnigkeit, Spießigkeit und Bigotterie nicht nur amerikanischer Kleinstädte ein literarisches Denkmal gesetzt.

Herausragend aus einer starken Truppe war an diesem Abend Marie-Thérèse Futterknecht, die die enorme Bandbreite menschlicher Emotionen wie Neid, Hass oder Zorn mit enormer Wucht auf die Bühne brachte. Eindrucksvoll zeigte sie, wie die gerade noch unterdrückte Wut einer betrogenen Ehefrau plötzlich hervorbricht oder wie innerhalb von Sekunden hysterisches Lachen in einen Weinkrampf umschlägt und eine nur mühsam aufrecht erhaltene Fassade zerbricht.

Großes Lob für einen wirklich tollen Abend mit hochkarätigen Künstlern, für die es zu Recht begeisterten Applaus und Bravo-Rufe gab.

Für die Veranstaltung am Samstagabend, an dem das gleiche Programm gespielt wird, gibt es noch vereinzelte Restkarten.

Von Thomas Landsiedel

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