Festspielporträt: Daniel Friedrich spielt im Zauberberg den Hofrat Behrens

Aus dem Gröbsten raus

Wasser ist sein Element, ohne könnte Daniel Friedrich nicht leben. Gleich bei seiner Ankunft in Bad Hersfeld hat es ihm die großzügige Wasserfläche im Schilde-Park angetan. Foto: Hanisch

Bad Hersfeld. Am Anfang war der Klang, nicht das Wort. Das glaubt zumindest Schauspieler Daniel Friedrich, der ohnehin der Ansicht ist, dass viel zu viel geredet wird. „Die Kommunikation findet doch viel früher statt, durch Blicke, Mimik, Gestik – Reden ist das letzte Ausdrucksmittel“, meint er.

Da mag es zunächst verwundern, warum jemand, der Worten „zerstörerisches Potential“ beimisst, sich für einen Beruf entscheidet, bei dem die Sprache wesentlicher Bestandteil ist. „Ich habe mich für die Schauspielerei entschieden, weil ich gern Situationen erlebe, gern krasse Sachen, krasse Tragödien gestalte – das ist mein Ding“, erklärt der gebürtige Berliner, der auch gern mal eine stumme Rolle spielen würde.

„Ich habe mich für die Schauspielerei entschieden, weil ich gern Situation erlebe.“

Daniel Friedrich

Neben der Leidenschaft für die Schauspielerei waren auch die Musik und das Singen von jeher ein unverzichtbarer Bestandteil. Als Jugendlicher hat Friedrich auch Gitarre und Bass in einer Band mit Michael Schanze gespielt.

„Mehr so der Rocker“

„Wir haben von Popmusik bis gepflegter Barmusik alles gespielt“, erzählt das Universaltalent. Er gründete sogar eine eigene Band, die unter anderem Songs von den Stones, Beachboys und Beatles spielte. „Ich bin mehr so der Rocker, die Band vom Michael wurde mir zu softig.“

Trotz dieser vorgezeichneten Bühnen-Laufbahn war nach dem Abitur aber keineswegs sofort klar, dass er diesen Weg auch tatsächlich einschlagen würde. „Ich wusste erst nicht, was ich machen sollte. Aber mein Abitur war ohnehin so schlecht, da hatte ich nicht viele Möglichkeiten“, erzählt Friedrich, der sich selbstironisch als das schwarze Schaf der Familie bezeichnet.

Schließlich bewarb er sich an der Neuen Münchner Schauspielschule, mit der seine Theater-Karriere ins Rollen kam. 1993 verlagerte er seinen Schwerpunkt dann auf das Fernsehen. Ob er die Theaterbühne oder doch eher die Mattscheibe vorzieht? Eine Wertigkeit möchte er dabei nicht vornehmen. Alles gehöre dazu, und gerade das Hin und Her sei belebend.

Auch wenn es so scheint, als wäre Friedrich, der die Schauspielerei als eine Art Eigentherapie betrachtet, der Erfolg einfach so zugeflogen, hat auch er Rückschläge einstecken müssen. „Man muss sich das alles hart erarbeiten. Da gibt es oft Momente, wo man sich überfordert fühlt und an seine Grenzen stößt.“ Trotzdem hat er nie etwas bereut: „Ich mache weiter, solange ich kann“.

Prioritäten setzen

Und obwohl er viel unterwegs ist, steht die Familie bei dem dreifachen Vater, dessen jüngster Sohn gerade acht Jahre ist, auf der Prioritätenliste ganz weit oben. „Ich teile es mir so ein, dass ich genügend Zeit für meinen Sohn habe. Ich bin aus dem Gröbsten raus, ich muss nicht mehr alles machen“, meint der 63-Jährige locker, der seit 24 Jahren nach den Grundsätzen des Buddhismus lebt. „Ich trainiere mich im Geben, das macht glücklich.“

Auch einen Tipp aus dem Bereich des Yogas, um sich fit zu halten, hat der Schauspieler parat: „Mach jeden Tag die fünf Tibeter und du wirst 100 Jahre alt“– vielleicht wirkt der 63-Jährige auch deshalb noch so jugendlich?!

Von Christin Hanisch

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