Fragen und Antworten zum Thema Gleichstromtrasse Suedlink

Grenzwerte einhalten

Bürgermeister Walter Glänzer (stehend rechts im Hintergrund) hatte vor dem Infomarkt des Netzbetreibers Tennet in Kirchheim zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Suedlink ins Bürgerhaus nach Aua eingeladen, um die Neuensteiner über das Projekt ins Bild zu setzen, damit sie gezielt Fragen stellen konnten. Foto: Zacharias

Hersfeld-Rotenburg. Mit einem sogenannten Infomarkt hat gestern der Stromnetzbetreiber Tennet seine Pläne für das Projekt „Suedlink“ in Kirchheim vorgestellt. Betroffen von der neuen Trasse sind vor allem die Menschen in Neuenstein, Kirchheim und Niederaula. Bereits am Tag zuvor hatte der Neuensteiner Bürgermeister Walter Glänzer zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um die Bürger in die Lage zu versetzen, gezielt Fragen stellen zu können.

?Warum müssen auf einmal so viele neue Stromleitungen gebaut werden?

!Im Zuge der Energiewende sollen die Kernkraftwerke in Deutschland bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die erneuerbaren Energien spätestens im Jahr 2050 80 Prozent der Stromversorgung abdecken. Der Windstrom wird allerdings vor allem im Norden produziert und im Süden benötigt. Deshalb müssen laut Netzentwicklungsplan in den nächsten zehn Jahren insgesamt 1500 Kilometer Wechselstromverbindungen und 2100 Kilometer Gleichstromverbindungen neu gebaut werden.

? Wo soll die neue Stromtrasse verlaufen?

!Sie beginnt in Wilster bei Hamburg und führt bis nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. Nach ausführlicher Voruntersuchung durch Tennet wurde jetzt eine Trassenvariante vorgestellt, die von Norden von Knüllwald-Völkershain kommend das Gemeindegebiet von Neuenstein erreicht und dann weitgehend parallel zur Autobahn A 7 verläuft, bis sie den Kreis südlich von Niederjossa wieder verlässt. Laut Tennet befinde man sich aber erst ganz am Anfang der Planungen.

?Welche Schutzbestimmungen gibt es für Menschen und Natur?

!Die Stromtrasse soll möglichst sozial- und umweltverträglich gebaut werden, teilt Tennet mit. Ziel aller Planungen sei es, beim Leitungsbau den größtmöglichen Abstand zu Wohngebieten einzuhalten und alle ökologisch besonders wichtigen Areale optimal zu schützen. Suedlink werde so geplant, errichtet und betrieben, dass die vorhandenen gesetzlichen Grenzwerte nicht nur eingehalten, sondern sogar deutlich unterschritten werden, verspricht das Unternehmen. Dabei soll ein Abstand von 400 Metern zur Wohnbebauung eingehalten werden. Beachtet werden aber auch Vogelschutzgebiete und der Schutz bisher unbelasteter Flächen.

?Warum wird die Leitung nicht unter die Erde verlegt?

!Gleichstromverbindungen können laut Tennet als Erdkabel oder Freileitung verlegt werden. Zur Stromübertragung werden jedoch überwiegend Freileitungen verwendet. Sie verfügen über eine hohe Übertragungsleistung und lassen sich vergleichsweise schnell errichten. Die Verbindung zwischen Wilster und Grafenrheinfeld wurde jedoch als ein Erdkabel-Pilotprojekt ausgewiesen, um Erfahrungen mit Erdkabeln zu sammeln. Teilabschnitte können also auch unter der Erde verlegt werden, jedoch nur, so betont der Tennet-Pressesprecher, wenn bestimmte Abstände zu Wohngebieten unterschritten werden. Der Bau von Erdkabeln ist jedoch insgesamt aufwändiger als bei Freileitungen. Die Kabeltrasse muss komplett von Gebüschen und Wäldern befreit werden. Es muss ein knapp zwei Meter breiter und 1,80 Meter tiefer Kabelgraben ausgehoben werden. Die benötigte Trassenbreite beträgt laut Tennet 30 bis 40 Meter. Zudem sind Schäden schwieriger zu reparieren. Auch die Strahlung sei bei Erdkabeln höher als bei Freileitungen, weil der Abstand deutlich geringer sei. Die Masten der Freileitung sollen eine Höhe von 60 bis 65 Metern haben. Die Masttypen werden derzeit von Technikern entwickelt.

?Welche Möglichkeiten haben betroffene Anwohner, Einfluss auf den geplanten Trassenverlauf zu nehmen?

!Sie können zum Beispiel bei den Info-Märkten ihre Probleme und Vorschläge direkt ansprechen und schriftlich hinterlassen, sagt Pressesprecher Tom Wagner. Tennet verspricht ihnen eine Rückmeldung, bevor das formale Genehmigungsverfahren gestartet wird. Bürger haben zudem die Möglichkeit, per Telefon oder E-Mail Kontakt mit Tennet aufzunehmen.

?Warum müssen mehrere Leitungen gebaut werden. Kann man sich die 380 kV-Leitung Wahle-Mecklar nicht sparen, wenn Suedlink gebaut wird?

!Sowohl die Gleichstromleitung Suedlink als auch die 380 kV-Leitung würden gebraucht, betont Pressesprecher Tom Wagner. Er vergleicht die Wechselstromleitung mit einer Autobahn für den Strom und die Gleichstromleitung mit einer Flugverbindung. Es werde aber versucht, Leitungen zu bündeln, wo es möglich sei.

?Wie ist der weitere Ablauf für Planung und Bau?

!In den kommenden Jahren werden verschiedene Trassenkorridore im Detail überprüft. Im Jahr 2018 soll dann das Planfeststellungsverfahren beginnen. Nach einer Bauzeit von drei Jahren soll Suedlink im Jahr 2022 ans Netz gehen. (zac) Kontakt: Telefon: 0921/50740-4094, E-Mail: info@tennet.eu

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