Abschlussmatinee des 4. Internationalen Jugendforums begeistert die Zuschauer

Grenzen überschreiten

„Crossing the Line“: Die jungen Teilnehmer des internationalen Jugendforums überschritten in ihrer Darstellung auch die Grenze der Exklusion aus der Gesellschaft und überzeugten mit großem Talent. Fotos: Wagner

Bad Hersfeld. Allein durch dünne Seile verbunden, von denen sie sich immer wieder zu befreien versuchen, stehen die Teilnehmer des 4. Internationalen Jugendforums auf dem Rasen vor dem Eingang der Stadthalle. Neugierige Passanten bleiben stehen, schauen zu und gesellen sich zu den übrigen Zuschauern, die im Anschluss in den Vorstellungssaal geleitet werden.

Dort präsentieren die Jugendlichen aus verschiedenen Ländern Europas das Ergebnis der letzten Woche – ein eigens kreiertes Stück zum Thema „Grenzen überschreiten“.

Von positiver Moral

Vorurteile über Menschen anderer Herkunft oder sexueller Orientierung sowie Menschen mit Behinderung oder fremdem Aussehen gibt es viele. Es gilt dabei, die imaginären Grenzen dieser Vorurteile mit Mut zu überschreiten. Diese positive Moralvorstellung versuchten die Jugendlichen, die aus sieben verschiedenen Ländern stammen (zum Beispiel aus Finnland, Zypern, Schweiz, Luxemburg und Tschechien), in einer eindrucksvollen Inszenierung darzustellen – mit Erfolg.

So erzählten einzelne Mitglieder der Gruppe von Eigenschaften, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen und sie zu Außenseitern machen. Unterstützt wurde die jeweilige Erzählung durch die Darstellung dieser Ausgrenzung. Am Ende jeder Episode überschritten die fiktiven Charaktere allerdings die imaginäre Grenze oder bekamen Beistand von Menschen mit gleicher Gesinnung, ähnlichem Aussehen oder denselben Problemen.

So findet ein Charakter mit körperlicher Behinderung Trost bei einem Menschen mit gleicher Einschränkung, ein homosexueller junger Mann bringt den Mut auf, einem Freund seine verborgene Liebe zu gestehen.

Musikalisches Talent

Anfang und Ende der professionellen Darbietung standen ganz im Zeichen der Verständigung innerhalb Euro-pas. So mangelte es den Jugendlichen zu Beginn an Wissen über ihre europäischen Nachbarn, während sie sich am Ende noch kaum voneinander zu unterscheiden schienen. Musikalisch untermalt wurde die Vorstellung von Gesangsdarbietungen einiger Teilnehmer, die ebenfalls die instrumentale Begleitung übernommen hatten und dabei neben darstellerischem auch großes musikalisches Talent bewiesen.

Festspiel-Intendant Holk Freytag bedankte sich nach der Vorstellung bei dem künstlerischen Team, den Sponsoren sowie den jungen Darstellern. Er zeigte sich begeistert von dem Ergebnis des Forums und übertrug die „Moral von der Geschicht’“ in einem Appell auf die aktuellen europäischen Probleme. Auch dort müsse man Grenzen überschreiten. „Lasst uns über die Menschen reden, nicht über Banken“, schloss Freytag seine Gedanken.

Das 4. Internationale Jugendforum fand im Rahmen des Projektes „Europolis 2050“ in einer Zusammenar-beit der Bad Hersfelder Festspiele mit der European Theatre Convention statt. Auch im nächsten Jahr soll es wieder die Bühne für die kulturelle Verständigung junger Menschen innerhalb Europas sein.

Von Nicole Wagner

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